Paul und Marius Beck gehören mit ihrer Apollonia Film und der hinreißend charmanten ZDFneo-Comedy „Tschappel” zu den Shooting Stars des TV-Jahres. Die Serie läuft auch am Dienstag auf der TeleVisionale in Weimar. Für uns blicken die beiden zurück auf das Jahr und teasen nächste Projekte.

Ihre Serie „Tschappel” hat seit der Weltpremiere beim Filmfestival Max Ophüls Preis im Januar eine schon lange Reise hinter sich. Wie blicken Sie auf diese bald zwölf Monate zurück?
Paul & Marius Beck: Dankbar und stolz, aber vor allem sind wir wahnsinnig überrascht. Mit so einem Erfolg kann man nicht rechnen und sowas kann man nicht planen. Und wenn man sowas planen würde, dann würde es eh nicht so klappen! Die Serie war erstmal gedacht als Hommage an unsere Jugendfreunde in Zußdorf und als Denkmal für diese Zeit, für unsere Landjugendzeiten. Und natürlich wollten wir immer schon mal was bei uns in der Heimat in Oberschwaben drehen. Dass das jetzt so viel Leute mehr anspricht, nicht nur in der Region, ist der Wahnsinn! „Tschappel” ist noch kein Hype, aber ein Hyple.
Welche Resonanz haben Sie vom Publikum bislang erfahren? „Tschappel” spielt in der Provinz, im oberschwäbischen Hintervorderbach. Es wird im Dialekt geschwätzt. Das Format lebt von dieser Atmosphäre, könnte aber beim ersten Hören kurz abschreckend gewirkt haben.
Paul & Marius Beck: Fürs uns war’s völlig logisch und folgerichtig, dass in der Serie auch schwäbisch geschwätzt wird. Umso dankbarer war dann, dass ZDFneo und unsere Redakteurinnen Berit Teschner und Carina Bernd von Anfang an den Dialekt mitgegangen sind, das reizvoll fanden und es nie in Frage gestellt haben. Der Dialekt hat enorm geholfen, um es besonders und authentisch zu machen und drum wird die Serie auch außerhalb von Baden-Württemberg angenommen, weil es sich echt anfühlt.
Neben der Einladung zu Max Ophüls ist dem Format auch sonst viel Liebe entgegengeschwappt: ob beim Deutschen Fernsehpreis, dem Blauen Panther oder dem Carl Lämmle Produzentenpreis. Haben Sie dabei so etwas wie eine Lieblingserfahrung in diesem Jahr?
Paul & Marius Beck: Das war alles der Wahnsinn! Ganz besonders war die Premiere in Zußdorf (aka Hintervorderbach), weil man gemerkt hat, wie unglaublich viele Menschen an dieser Serie beteiligt waren und vorab was sehen wollten. Da hätten wir das Dorfgemeinschaftshaus viermal füllen können.
Das ZDF hat bereits Ihre Serie um eine zweite Staffel verlängert. Was darf für die Fortsetzung erwartet werden? Bleibt der Cast beisammen?
Paul & Marius Beck: Ohne jetzt zu viel verraten, aber auf jeden Fall wird es in Staffel 2 wieder um Carlo, um seine Freunde, seine Familie und um Hintervorderbach gehen. Wir erzählen auf jeden Fall wieder anekdotisch Geschichten vom Aufwachsen auf dem Dorf, denn wir haben erst gerade damit angefangen und es gibt definitiv noch einiges zu erzählen, was in Staffel 1 bestenfalls angeschnitten oder noch gar nicht thematisiert wurde.
„Tschappel” war eine Kooperation zwischen der Apollonia Film und der LAX Entertainment. Wird es noch weitere Zusammenarbeiten geben?
Paul & Marius Beck: Ja, auf jeden Fall! Sowohl mit der LAX Entertainment als auch mit anderen Firmen planen wir weitere Kooperationen. Für uns sind diese Zusammenarbeiten wahnsinnig wertvoll und befruchtend; man bringt verschiedene Ressourcen, Kontakte und Ideen in ein Projekt ein. In Kinoprojekten sind Koproduktionen ja gang und gäbe, aber im Fernsehen und Streaming leider eher noch eine Seltenheit.
Ihre Apollonia Film ist noch eine ganz junge Produktionsfirma. Es gibt sie erst seit 2021. Was bedeutet ein Erfolg wie „Tschappel” für Ihre Sichtbarkeit?
Paul & Marius Beck: Das hat uns schon einen unglaublichen Push gegeben! Die Firma gibt es zwar seit 2021, aber erst 2023 haben wir entschieden, das hautberuflich zu machen, ein Büro anzumieten und All-In damit zu gehen. Zum Glück kam dann noch im selben Jahr die Kooperation mit der LAX und der Entwicklungsauftrag von ZDFneo zustande. Seit „Tschappel” gehen ständig Türen für uns auf und wir werden deutlich mehr wahrgenommen als zuvor. Trotzdem bleibt es herausfordernd, Greenlights für neue Projekte zu erhalten – selbst wenn wir mit voller Überzeugung sagen können, dass unsere kommenden Stoffe ein ähnlich starkes Potenzial wie „Tschappel” haben und wir wahnsinnig dafür brennen. Wir merken jetzt: Der Prozess bei ZDFneo war schon außergewöhnlich, da wird wirklich mutig und schnell entschieden und der Kraft von Kreativen und deren Geschichten vertraut, auch wenn sie noch keine Vita haben.
Welche Art von Projekten wollen Sie zukünftig umsetzen? Gibt es einen Fokus auf bestimmte Themen, Genres oder Ausspielwege?
Paul & Marius Beck: Wir sind nicht festgelegt, weder auf Serie oder Komödie noch auf Provinz. Mit „Run Me Wild” (Arbeitstitel „Freezing”) veröffentlichen wir im nächsten Jahr zum Beispiel ein Coming-of-Age-Drama als Kinofilm. Unsere Geschichten müssen alle den Anspruch haben, dass sich darin ein möglichst großes Publikum sehen und wiederfinden kann. Und wir müssen Spaß daran haben! Anders gesagt: wir wollen keine Filme und Serien machen für einzelne, kleine Bubbles. Es geht bei uns auch immer drum zu unterhalten und dass Leute sich emotional in Geschichten finden können. Unterhaltung heißt dabei nicht, dass Publikum für zu dumm und zu einfach gestrickt zu halten. Im Gegenteil: Man kann den Leuten auch was zutrauen! Aber erstmal darf eine Sache nie langweilen.
Gibt es weitere konkretere und spruchreife Projekte, mit denen demnächst von der Apollonia Film gerechnet werden kann?
Paul & Marius Beck: Ja ein paar sind schon spruchreif! Wir drehen nächstes Jahr einen Dokumentarfilm über sexuelle Aufklärung mit dem ZDF kleines Fernsehspiel, eine ganz besondere Vater-Sohn-Geschichte als Kinospielfilm mit BR und einen hybriden Dokumentarfilm, der sich wie ein Sonntagsspaziergang durch Wien anfühlen soll. Und natürlich die zweite Staffel „Tschappel” nächsten Sommer! Auch ein Kinofilm ist in Planung, der auch in Oberschwaben/Allgäu spielen und gedreht werden soll. Aber der wird dann in vieler Hinsicht sehr anders sein als „Tschappel”.
Die Fragen stellte Michael Müller