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Nordische Filmtage: „Renovation” gewinnt doppelt, „Second Victims“ erhält höchstdotierten Preis


Bei den Nordischen Filmtagen Lübeck sind am Samstag elf Preise vergeben worden. Den am höchsten dotierten Preis gewann die dänische Produktion „Second Victims” mit Trine Dyrholm. Der litauische Film „Renovation” konnte sich wiederum gleich doppelt freuen. Der Künstlerische Leiter Thomas Hailer wurde amtlich mit Lübecker Shanty-Chor auf der Bühne verabschiedet. Er warnte in seiner Rede vor Etatkürzungen des Festivals.

Gabrielė Urbonaitė und Zinnini Elkington
Gabrielė Urbonaitė (l.) und Zinnini Elkington gehören mit ihren Filmen „Renovation” und „Second Victims” zu den Preisträgerinnen und Preisträger 2025 bei den Nordischen Filmtagen Lübeck (Credit: DFI,Lithuanian Film Centre, NFL)

Am Samstag sind die Preise der Nordischen Filmtage Lübeck vergeben worden. Unter der Moderation von Loretta Stern wurden im Theater Lübeck insgesamt elf verschiedene Preise mit einem Gesamtwert von 67.500 Euro überreicht. Die am höchsten dotierte Auszeichnung, der NDR-Filmpreis mit 12.500 Euro, ging an die dänische Produktion „Second Victims“ (Originaltitel: „Det Andet Offer“) von Regie-Debütantin Zinnini Elkington.

„Dieses fesselnde Debüt führt uns mit perfektem Rhythmus und herausragenden schauspielerischen Leistungen durch Schuld, Trauer und Vergebung – und macht Lust auf weitere Werke der Regisseurin in der Zukunft“, begründete die Jury des NDR-Filmpreises ihre Wahl. In „Second Victims” mit Özlem Saglanmak und der großen Trine Dyrholm in den Hauptrollen geht es um den Alltag einer Neurologin auf einer Schlaganfall-Station.

Litauischer „Renovation” gleich mit zwei Preisen

Für die litauische Regisseurin Gabrielė Urbonaitė gab es gleich zwei Auszeichnungen für ihren Film „Renovation” (Originaltitel: „Renovacija“): Zum einen den Preis des Freundeskreises für das beste Spielfilmdebüt, dotiert mit 7.500 Euro, zum anderen den Kirchlichen Filmpreis Interfilm, der mit 5.000 Euro dotiert ist. Urbonaitė nahm im vergangenen Jahr schon am Future North Programm der Nordischen Filmtage teil.

„Renovation” lief als deutsche Festival-Premiere in Lübeck und gehörte zu den stärksten Werken der Spielfilm-Auswahl. Es ist ein Slice-of-Life-Film über die junge Ilona, die seit zwei Jahren in einer Beziehung mit ihrem Freund lebt, gerade mit ihm umgezogen ist und 30 Jahre alt wird. Ein Beziehungsdrama mit leisem Humor und einem entspannten Erzähltempo, das die Unentschlossenheit seiner Protagonistin in treffende Alltagsbilder kleidet. Das Pärchen zieht in ein altes Sowjetgebäude, das auch von einem ukrainische Bauarbeiter restauriert wird, mit dem sich Ilona anfreundet.

„Der Film behandelt unter anderem, wie der Krieg in der Ukraine das Leben in Litauen beeinflusst. Ich bitte um einen Moment, an die Menschen in der Ukraine zu denken. Wir als Künstler müssen uns gegen die prorussischen Bewegungen in Europa auflehnen. Wir brauchen Hoffnung und Action”, sagte Gabrielė Urbonaitė bei ihrer Dankesrede.

Dank an Künstlerischen Leiter Thomas Hailer

Bei der samstäglichen Veranstaltung nutzte Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau die Gelegenheit, dem Künstlerischen Leiter der Nordischen Filmtage, Thomas Hailer, für sein Engagement zu danken und seine Nachfolgerin Hanna Reifgerst für 2026 vorzustellen. Auch Senatorin Monika Frank und Geschäftsführerin Susanne Kasimir schlossen sich den Dankesworten an.

„Es sind die letzten Tage mit dem Künstlerischen Leiter Thomas Hailer. Es sind sechs Nordische Filmjahrgänge unter ihrer Leitung gewesen. Mit dieser glanzvollen Filmpreisnacht gehen sie zu Ende. Es ist eine Zäsur“, sagte Lindenau in seiner Dankesrede. „Sie haben unter schwierigsten Bedingungen mitten in der Corona-Pandemie die Herausforderung angenommen und viele neue Ideen mitgebracht, um die Lübecker wieder ins Kino zu locken.”

Hailer sei jemand, der in Generationen und nicht in Festivaljahren dachte. „Sie haben NFL Plus, das ganzjährige Schulkino-Angebot, eingeführt. Der Ehrenpreis und das Drehbuch-Stipendium kamen hinzu”, zählte Lindenau auf. Hailer sei kein Backstein, nicht kantig oder rau, als Anspielung auf die beim Festival ausgegebenen Preise in Backsteinform. Hailer sei eher ein Jadestein, der das emotionale Gleichgewicht fördere und positive Energie unterstütze. „Sie haben unser Fundament weiter gestärkt.”

Kritik an geplanten Etatkürzungen

Der sichtlich gerührte Künstlerische Leiter Thomas Hailer spielte bei seinen Worten auf die Laudatorin und Musikerin Siw Malmkvist an, die Lübeck am selben Abend als das weltbeste Festival bezeichnet hatte: „Sie haben es heute hier gehört, dass wir das beste Filmfestival auf der ganzen Welt sind.” Hailer verneigte sich vor dem Lübecker Publikum. „Ich bedanke mich bei den Filmemacherinnen und Filmemachern, Geschäftsführerin Susanne Kasimir, die das Festival mit ihm in der Corona-Zeit neu aufgestellt hatte. Dank gab es auch für seine Familie, die den ganzen Festivalzirkus mit ihm über die Jahre mitgemacht habe.

Hailer sprach auf der Bühne aber auch über offenbar geplante Einsparungen im Festivaletat um 50.000 Euro, die bei einem Festival dieser Größe schon einscheinend sind. Er bat die Verantwortlichen nochmal über diesen Schritt nachzudenken. „Es mag sein, dass der Betrag klein aussieht. Wir sehen es aber als Zäsur an. Denken Sie nochmal drüber nach. Denken Sie nicht nur über Zahlen, sondern auch über die Effekte nach. Denken Sie auch über die immateriellen Werte nach. Kultur ist das das, was die Welt zusammenhält.” Zum Abschied sang ein Shanty-Chor dem Künstlerischen Leiter noch eine liebevoll gemeintes „Tschüss” auf der Bühne.

Susanne Kasimir zieht eine erste Bilanz

Geschäftsführerin Susanne Kasimir sagte als vorgezogenes Fazit zum Festival am Anfang des Abends: „Das Interesse des Publikums war sehr groß. Wir gehen von einer Steigerung um 16 Prozent der Tickets aus. Das war kein Zufall. Das war der Plan.” Das Festival habe an vielen Stellschrauben gedreht, um das zu ermöglichen. „Die Säle waren voll, es gab viele ausverkaufte Vorstellungen. Wir geben aber auch noch weitere Tickets für den Sonntag frei. Unser Eröffnungsfilm ‚Therapie für Wikinger‘ ist im Ranking auf Platz eins der ausverkauften Vorstellungen.”

Weitere Preise für „Redoubt” und „Safe House”

Der Baltische Filmpreis für einen Nordischen Film, dotiert mit 5.000 Euro, ging an John Skoog mit seinem Film „Redoubt“ (Originaltitel: „Värn“). Der Publikumspreis, gestiftet von Die Gemeinnützige mit 7.500 Euro, ging an Regisseur Eirik Svensson, der seinen Film „Safe House“ (Originaltitel: „Før Mørket“) auf den nordischen Filmtagen präsentierte.

Preisverleihung Nordische Filmtage
V.l.: Jan Göransson, Fanny Ovesen, Zinnini Elkington, Gabrielė Urbonaitė, André Siegers, John Skoog, David Borenstein und Natasha Arthy bei der Lübecker Preisverleihung (Credit: NFL)

Dänischer Oscar-Beitrag gewinnt Dokumentarfilmpreis

Die Filme im Dokumentarfilmwettbewerb der Nordischen Filmtage Lübeck konkurrierten um den von ver.di, Bezirk Lübeck/Süd-Ostholstein gestifteten, und mit 5.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis. Er ging an den dänische Oscar-Beitrag „Mr. Nobody Against Putin“ und die Regisseure Pavel Talankin und David Borenstein, der den Preis persönlich entgegennehmen konnte.

Auch in der Kategorie Kurzfilm wurden mehrere Preise verliehen. Der CineStar-Preis für den besten Kurzfilm in der Sektion Filmforum, dotiert mit 5.000 Euro und gestiftet von der CineStar-Gruppe, ging in diesem Jahr an „Die Stimme des Ingenieurs“ („The Engineer’s Voice“) von André Siegers.

Eine Lobende Erwähnung erhielt der Film „Mama Micra“ von Rebecca Blöcher. Der Preis für den besten nordischen und baltischen Kurzfilm, gestiftet von den Stadtwerken Lübeck und ebenfalls mit 5.000 Euro dotiert, wurde an Saarlotta Virri aus Finnland verliehen für ihren Kurzfilm „Memories move like Distant Islands“ („Muistot liikkuvat kuin kaukaiset saaret“).

Die Jury sprach zudem eine lobende Erwähnung für „Poor Me“ („Stakkars Meg“) der norwegischen Regisseurin Liv Joelle Barbosa Blad aus. In der Kinder- und Jugendsektion „Young Audience“ wurden drei Preise vergeben: Die Kinderjury der Nordischen Filmtage Lübeck zeichnete den Film „Honey“ der dänischen Regisseurin Natasha Arthy mit ihrem, von der Hansestadt Lübeck gestifteten, Kinderjury-Preis (5.000 Euro) aus.

„Kevlar Soul“ überzeugt Jugendjury

Die Jugendjury, bestehend aus Lübecker Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren, vergab ihren mit 5.000 Euro dotierten Preis an die schwedische Regisseurin Maria Eriksson-Hecht für „Kevlar Soul“ („Kevlarsjäl“). Den Kinder- und Jugendfilmpreis der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung, dotiert mit 5.000 Euro, nahm Fanny Ovesen für ihren Film „Live A Little“ („Leva lite“) entgegen.

Neben zahlreichen internationalen Gästen, die ihre Werke in den verschiedenen Sektionen präsentierten, und den Preisträger:innen, nahmen auch prominente Vertreter:innen aus Politik und Diplomatie an der Veranstaltung teil. Zu den Gästen zählten der stellvertretende Stadtpräsident Peter Petereit, der schon erwähnte Bürgermeister Lübecks, Jan Lindenau sowie die Senatorin für Kultur und Bildung, Monika Frank.

Ebenfalls anwesend waren Giedrius Puodžiūnas, Botschafter der Republik Litauen, Thomas Prey, Honorarkonsul der Republik Finnland in Kiel, und Mirko Schönfeldt, Honorarkonsul der Republik Lettland. Unter den Anwesenden befanden sich zudem die Partner:innen und Sponsor:innen der Nordischen Filmtage, deren großzügige Unterstützung das Festival überhaupt erst möglich macht.

Die Nordischen Filmtage Lübeck bringen vom 5. November noch bis morgen, den 9. November, über 191 Filme in 226 öffentlichen Veranstaltungen in den Lübecker Spielstätten zur Aufführung. Die Nachfrage ist groß – deshalb stehen ab sofort weitere Karten im freien Verkauf zur Verfügung. Über 60 Prozent des Programms stehen via Stream für das Publikum deutschlandweit bis zum 16. November um 24 Uhr zur Verfügung.