SmHJHX

Am Freitag, den 25.10. werden wir ab 15.00 Uhr bis ca. 18 Uhr umfangreiche technische Wartungsarbeiten durchführen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Katharina Marie Schubert zu „Prange“: „Wir erzählen von echten Leuten mit echten Macken“


Zum morgigen Nikolaustag startet der NDR-Film „Prange – Man ist ja Nachbar“ in der ARD-Mediathek. Am 8. Dezember folgt die lineare Premiere der Florida-Produktion im Ersten. Katharina Marie Schubert, die neben Bjarne Mädel als Titel-(Anti)Held die zweite Hauptrolle spielt, sprach mit uns über den Film und ihren Part als Paketbotin.

 KMS Prange man ist ja Nachbar scaled e x
Katharina Marie Schubert als Paketbotin Dörte in „Prange – Man ist ja Nachbar“ (Credit: NDR/Manju Sawhney)

Wie sind Sie zum Projekt „Prange“ gestoßen, wurden Sie „klassisch“ gecastet oder standen Sie schon vorzeitig als Pranges Love Interest fest?

Katharina Marie Schubert: Also gecastet wurde ich nicht. Ich bekam einen Anruf, ob ich die Rolle spielen möchte, habe das Drehbuch gelesen und dann zugesagt. Ich habe mit Bjarne Mädel schon zuvor gedreht, und das war eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das war bestimmt von Vorteil.

Was hat Sie an der Rolle der Paketbotin Dörte besonders gereizt?

Katharina Marie Schubert: Zunächst fand ich das Drehbuch wahnsinnig gut. Das ist für mich immer ausschlaggebend. Nicht nur die Rolle soll stimmen, ich möchte auch bei etwas mitspielen, dass ich mir selbst anschauen würde. Hier haben mir die Dialoge sehr gut gefallen, auch wie der Alltag der Figuren erzählt wird. Das Drehbuch hat enormen Sprachwitz. Es lohnt sich, den Text Wort für Wort zu lernen, weil er eine höhere literarische Qualität hat. Die Rolle von Dörte fand ich auch gut, aber ich dachte, dass sie noch einen kleinen Push braucht und noch ein bisschen schräger werden muss, ein bisschen eigensinniger.

Ich fand, dass Dörte dem Prange an Schrägheit in nichts nachstehen sollte.

Sie konnten richtig auf Ihre Rolle einwirken?

Katharina Marie Schubert: In dem normalen Rahmen, natürlich! Die Figur war im Drehbuch schon so geschrieben, aber man kann das Geschriebene verstärken oder unterlaufen. Ich fand, dass Dörte dem Prange an Schrägheit in nichts nachstehen sollte. Sonst hat man immer die ewige Geschichte der Frau, die alles hinnimmt, was der Mann an komischen Dingen so macht, weil sie ja weiß, dass er im Inneren aus Gold ist. Ich fand, Prange braucht ein ebenso schräges, spleeniges und auch ein wenig anstrengendes Gegengewicht. Das habe ich angemerkt, es kam bei allen gut an und dann haben wir versucht, das umzusetzen.

Das leuchtet total ein und hat ja sehr gut geklappt. Wie war das mit dem norddeutschen Schnack. Haben Sie den im Blut oder mussten Sie sich den draufpacken?

Katharina Marie Schubert: Ich komme aus Niedersachsen und habe das viel gehört. Wenn ich einen Dialekt imitieren kann, dann den Norddeutschen. Und wenn man den ganzen Tag mit Bjarne Mädel und Olli Dittrich unterwegs ist, kann man sich dem gar nicht mehr entziehen. Lars Jessen wollte schon, dass es so einen Einschlag gibt, aber er hat mir auch manchmal gesagt, jetzt sei es ein bisschen zu viel. Da Dörte vom Land kommt, fand ich, der Dialekt müsse bei ihr noch stärker sein. Also, ich hoffe sehr, dass man mir den Dialekt abnimmt.

 Prange Dinner Prange man ist ja Nachbar scaled e x
Candle Light Dinner im Prange-Style: Bjarne Mädel und Katharina Marie Schubert (Credit: NDR/Manju Sawhney)

Für uns aus dem Süden hört es sich super an. Der Film hat eine sehr eigene Tonalität, ist zwar vordergründig Komödie, in der jedoch viel Melancholie mitschwingt, auch viel echtes Leben. Wie würden Sie den Film beschreiben?

Katharina Marie Schubert: Ich habe ihn erst einmal auf dem Filmfest Hamburg gesehen. Und wenn man einen Film, in dem man selbst mitspielt, das erste Mal sieht, ist man mit sehr vielen Dingen beschäftigt. Man erinnert sich, wie das beim Drehen war, achtet darauf, welcher Take ausgewählt wurde. Ich war völlig überwältigt und kann gar nicht so viel dazu sagen. Ich glaube, dass der Film etwas Reales hat, das man im Fernsehen seltsamerweise selten sieht. Dabei haben Filme doch auch die Aufgabe, unser Leben abzubilden. Ein klassischer Topos ist der vom Kommissar, der in einem Loft wohnt. Tatsächlich würde da im echten Leben nie einer wohnen. Wir erzählen von echten Leuten, mit echten Macken, denen man abnimmt, dass sie in der Siedlung, in der wir gedreht haben, leben. Da war es eng und voll, was aber dazu beiträgt, dass einem der Film viel mehr zu Herzen geht, weil man sich viel mehr gemeint fühlt. Es gibt weniger Distanz zum Alltag.

„Prange“ ist auch ein Film über das Alleinsein. Das betrifft ja viele Figuren, nicht nur Prange, und Dörte, auch den von Olli Dittrich gespielten Nachbarn, den Jungen aus dem oberen Stock, die ältere Dame. Er macht das Thema präsent, ohne darauf herumzureiten. Auch das ein großer Pluspunkt.

Katharina Marie Schubert: Da haben Sie recht, das spielt in diesem Film eine ganz große Rolle. Und es betrifft vorwiegend ältere Menschen, die schon viel erlebt haben. Es geht um Einsamkeit und darum, dass dagegen nur hilft, die Tür aufzumachen und den Kopf rauszustrecken. Aber wenn Prange und Dörte sich annähern, schwingt auch mit, was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr alleine ist. Dann muss man auch viel von dem, was das Alleinsein an Vorteilen hatte, abgeben. Ich bin mal gespannt, wie das dann weitergeht, wenn es einen zweiten Teil geben sollte. Das würde mich auf jeden Fall interessieren. Es geht in dem Film auch darum, dass das Alleinsein auch Vorteile hat, aber das Miteinandersein natürlich das größere Glück bietet. Wir erzählen auch, dass dieser Beziehungsversuch zunächst einmal daran scheitert, dass beide zu lange schon alleine sind.

Sie haben erwähnt, dass Sie mit Bjarne Mädel schon gedreht haben. Da war beim „Tatortreiniger“…

Katharina Marie Schubert: Wir haben noch einen weiteren Film gemacht, „Wer aufgibt ist tot“, das war eine Zeitschleifen-Tragikomödie, da haben wir ein Ehepaar in Scheidung gespielt.

Ich erinnere mich vage. Tritt man ihm zu nahe, wenn man sagt, dass in Prange auch eine Spur Schotty mitschwingt?

Katharina Marie Schubert: Das ist nicht wegzuleugnen, und dann reden sie auch beide ausgeprägt Norddeutsch. Aber es gibt auch viele Unterschiede.

Was können Sie über die Arbeit mit Lars Jessen erzählen?

Katharina Marie Schubert: Lars Jessen arbeitet schon sehr lange mit seinem Team zusammen, und das macht sich bemerkbar. Nicht nur Bjarne, auch Olli Dittrich hat schon viel mit ihm gemacht. Ich habe selten an einem Set so eine total entspannte, sehr lustige und kollegiale Atmosphäre erlebt, in der so gut und sehr vertrauensvoll gearbeitet wurde. Lars weiß ganz genau, was er will, und lässt einem trotzdem großen Spielraum.

 KMS und Olli Prange man ist ja Nachbar scaled e x
Katharina Marie Schubert mit Olli Dittrich, der als Pranges Nachbar selbst eine Auge auf Dörte geworfen hat (Credit: NDR/Thomas Leidig)

Sie haben vorhin schon einen möglichen zweiten Teil erwähnt. Wie konkret ist das?

Katharina Marie Schubert: Auf dem Hamburger Filmfest gab es Gerüchte, dass man über eine Fortsetzung nachdenke. Wir alle, Team und Schauspieler, hätten total Lust, mit „Prange“ weiterzumachen.

Wie geht es darüber hinaus für Sie weiter?

Katharina Marie Schubert: Ich habe diesen Sommer mit Sonja Heiss den Kinofilm „Raging Moms“ gedreht. Heike Makatsch, Anne Ratte-Polle, Laura Tonke und ich spielen die Hauptrollen. Ich glaube, es wird wahnsinnig lustig. Wir spielen vier Frauen, die mehr oder weniger in der Menopause sind und anfangen, sich seltsam zu benehmen und was da alles mit einhergeht. Es ist wirklich sehr lustig und die Männer kommen auch gut weg. Der Film soll im Januar 2027 in die Kinos kommen. Sonst mache ich gerade nichts. Ich warte darauf, dass mein Telefon klingelt.

Das ist jetzt nicht wahr, oder? Und wie ist es mit Ihren eigenen Ambitionen, Filme zu machen? Gib es nach Ihrem Regiedebüt „Das Mädchen mit den goldenen Händen“ etwas Neues?

Katharina Marie Schubert: Ich habe tatsächlich ein neues Drehbuch geschrieben und habe dafür auch eine Produktionsfirma, da geht es jetzt um die Finanzierung, aber das ist ja momentan auch nicht so leicht. Das Gute an der Situation ist, dass ich Lust habe zu schreiben und selber Filme zu drehen. Sonst wäre ich, glaube ich, manchmal ein bisschen traurig. Und ich spiele noch Theater, war ja die meiste Zeit meines Lebens am Theater. Also ich kriege mich schon beschäftigt. Aber wenn Sie mich fragen, was als nächstes kommt, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht.

Das Interview führte Frank Heine