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Jasin Challah & Sophie Averkamp: „Wir beschäftigen uns mit Geistern der heutigen Welt“


Am heutigen Freitag startet bei ZDF Streaming die Horror-Comedy-Serie „Rembetis – Die Geisterjäger“, die einerseits von Hollywood beseelt ist, andererseits ihre Wurzeln in der griechisch-syrisch-deutschen Identität des Showrunners Jasin Challah hat. Ein Interview zusammen mit Regisseurin Sophie Averkamp.

Jasin Challah und Sophie Averkamp
Jasin Challah und Sophie Averkamp mit ihrer Serie „Rembetis – Die Geisterjäger“ (Credit: ZDF/Jens Gyarmaty/Nina Poppe/Mikko Beste/Dorina Milas)

Wie ist Ihr Verhältnis zum Hollywood-Klassiker „Ghostbusters“? Auch bei Ihrer Serie gehen Menschen auf Geisterjagd, allerdings in der deutschen Provinz und aus einer alten griechischen Tradition heraus.

Jasin Challah: Wir alle stehen immer auf den Schultern von Riesen. „Ghostbusters“ ist der Ursprung des humorvollen Geisterjäger-Films, der eine Persiflage auf die alten Geister-Horrorfilme war. Ich liebe den Film, interessanterweise war er aber bei unserem Serienprojekt nur in meinem Unterbewusstsein noch tätig. In „Rembetis“ gibt es ein paar Anspielungen und Hommagen auf „Ghostbusters“, zum Beispiel wenn die gefangenen Geister am Anfang entfliehen. Aber eigentlich schauen wir jetzt ein bisschen weiter und bringen das Ganze in die heutige Zeit mit dem kulturellen Background, aus dem ich als Halb-Grieche und Halb-Syrer und Liebhaber der rembetischen Kultur komme, die damals vertrieben wurde.

Was für eine Kultur ist das genau?

Jasin Challah: Das waren Menschen, die im Jahr 1922 bei der sogenannten kleinasiatischen Katastrophe aus dem heutigen Izmir und anderen Ortschaften vertrieben wurden. Leute, die am Rande der Gesellschaft standen. Sie machten ihre Musik heimlich in ihren Kellern, weil sie verpönt war. Auf Bildern sahen sie für mich immer schon mysteriös aus, wenn sie Pfeife rauchend und mit ihren Musikinstrumenten dastanden. Aber bei unserer Serie „Rembetis“ beschäftigen wir uns mit den Geistern der heutigen Welt, die tatsächlich von uns Besitz ergreifen: sei es über die alten Familiengeschichten oder zum Beispiel Süchte wie dem Handykonsum, aber auch die Gier, der erschöpfende Ehrgeiz, das System der Bürokratie werden thematisiert. Dem wollten wir eine Gestalt geben. Das sind die Geister, die in unserer Serie zu sehen sind.  

Sophie Averkamp: „Ghostbusters“ ist das eine. Wir hatten aber mehrere Referenzen, die wir zur Inspiration herangezogen haben, um dann aber daraus wieder etwas Eigenes zu machen: Emir Kusturica, Michel Gondry, Monty Python, „Men in Black“, „Wellington Paranormal“ oder Taika Waititi. Wobei es immer schwer ist, sich mit solchen Riesen zu vergleichen. Es war ein Zugang, um die eigene Kreativität anzuknipsen, um mit wenig Mitteln und Zeit etwas Großes zu schaffen. Wir haben uns gefragt, wie wir die von Jasin angesprochenen Aspekte in eine Form bringen können, damit man sich auch lustvoll mit ihnen auseinandersetzen kann.

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„Rembetis – Die Geisterjäger“ startet am 25. Juli im ZDF Stream und am 29. Juli auf ZDFneo (Credit: ZDF/ Nina Poppe)

Herr Challah, Sie tauchen bei Ihrem eigenen Seriendebüt häufig in den Credits auf: nicht nur vor der Kamera und als Headautor, sondern neben Sophie Averkamp auch als Co-Regisseur der Folgen 1 und 8 und bei der Musik. Hatten diese mehrfachen Rollen vor allem mit dem Budget zu tun oder weil es auch eine sehr persönliche Geschichte ist?

Jasin Challah: Ich weiß – mein Name taucht ein bisschen zu oft in den Credits auf. Sorry dafür. Aber bei „Rembetis“ war ich eben in vielen Bereichen mit Herz und Seele dabei: als Showrunner, als Musiker, als Co-Regisseur bei zwei Folgen. Trotzdem – oder gerade deswegen – hatte ich das große Glück, mit wahnsinnig inspirierenden Menschen zusammenzuarbeiten: großartigen Autor:innen, Musiker:innen und natürlich Sophie, die bei allen Folgen die Regie geführt hat. Wir standen im ständigen, kreativen Austausch, und es war ein echtes Geschenk, diese Vision gemeinsam zu formen. Musik mache ich, seit ich denken kann – lange bevor ich meine Liebe für die Arbeit vor und hinter der Kamera entdeckt habe. In der Serie liegt der Fokus eher auf meinen griechischen als auf meinen syrischen Wurzeln. Und vor allem: Es ist ein Humor, den ich so in deutschen Serien noch nicht gesehen habe. Als Schauspieler war ich in vielen lustigen Produktionen dabei, aber hier wollte ich eine Sprache finden, die auch diesen ganz speziellen griechischen Humor einfängt – für Griechen, für Deutsche und alle dazwischen. Mir war die Innenansicht dieser Menschen wichtig. Der Genre-Mix trägt das alles: Integration, Heimatlosigkeit, Generationenkonflikte – aber eben mit Leichtigkeit erzählt. Und auch ein bisschen familiäre Tragödie aus dem Nachkriegsdeutschland hat sich reingeschlichen. Sophie und ich haben sehr bewusst einen authentischen griechischen Cast zusammengestellt – bei dem selbst die kleinen Gesten wie das richtige Augenzwinkern stimmte.

War es denn einfach, für diese Geschichte einen Auftraggeber zu finden? 

Jasin Challah: Es war überhaupt nicht einfach, weil viele Menschen damals sagten, dass solche Genre-Mixe nicht funktionieren würden und sie in ihren Sendern solch ein Projekt gerade nicht angehen könnten. Heute wird diese Kombination eher wieder gesucht.

Frau Averkamp, wie kamen Sie zu dem Projekt? Wie verlief der kreative Austausch in der Zusammenarbeit?  

Sophie Averkamp: Ich kam über unsere Producerin Jenny Lorenz von Eitelsonnenschein zum Projekt, die ich schon länger kenne. Jasin und Jenny waren auf der Suche nach der geeigneten Person, um den richtigen Ton für den Stoff zu finden. Das war dann schnell ein Match. Wir schlossen uns mit Kameramann Mahmoud Belakhel ein. Ich hörte mir die Vision an und sog alles auf. Wir schufen einen gemeinsamen Raum, wo wir uns zuhörten und überlegten, wie wir das Projekt auf die Reise schicken können. Was mir an der Serie so gefiel, ist, dass sie einen Humor besitzt, der nicht schadenfreudig und auf dem Rücken anderer ausgetragen wird. Es ist ein Humor, der aus den Situationen, Figuren und Identitäten kommt. Humor darf wehtun, aber auch menschlich sein. Das empfand ich bei uns als große Kraft. Die Zusammenarbeit war eng. Wir ließen die Egos vor der Tür.    

Jasin Challah: Ja, wir haben gesagt, dass wir die Egos vor dem Dreh weghängen und schauen, was das Beste für das Projekt ist. Wir hatten jeweils bestimmte Vorstellungen, es gab das Drehbuch, die Location und die Schauspieler:innen, die auch ihre Identitäten mitbrachten. An dem Projekt schrieb ich mit den anderen Autor:innen jahrelang. Aber vor Ort stellten wir dann fest, dass es so teils nicht funktioniert. Manchmal ist einfach ein Schlürfen mit dem Strohhalm besser und interessanter, als wenn eine Figur einen langen Monolog hält. 

Sophie Averkamp: Bei der Zusammenarbeit hatten wir eine gute Kommunikation miteinander. Wenn noch ein Gag auf dem Weg lag, haben wir ihn eingesammelt. Wir brachten beide Ideen ein und haben das Projekt auch zusammen mit den Editoren Ramin Sabeti und Vlad Litvak geschnitten. Das war eine Teamerfahrung auf Augenhöhe. Es gab an jedem Drehtag mindestens ein besonderes Special wie VFX, Musik, Tanz-Choreografien, SFX und teils aufwändige Kostüme und Szenenbilder. Alle Beteiligten waren aber dankbar, dass sie sich so „austoben“ durften. Es ist gerade auch immer eine Frage, wie man sich gegenseitig in Drucksituationen unterstützt, um trotz engem Zeitplan diesen Druck etwas herauszunehmen. Das ist uns gelungen.

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Musik spielt eine große Rolle in „Rembetis“ (Credit: ZDF/ Nina Poppe)

Sie setzen bei den Geistereffekten auf eine Kombination aus VFX und wirkungsvolle schauspielerische Fähigkeiten. Mit wem haben Sie bei dem überschaubaren Budget bei den digitalen Effekten zusammengearbeitet?  

Sophie Averkamp: Wir suchten einen Weg, wie man aus den Mitteln das Beste herausholen kann. Mir gefällt die Synergie, die daraus entstand. Über die Schauspielenden, aber auch die Kostüme, das Maskenbild, die Inszenierung oder die Requisiten wie das Rembetophone wollten wir eine eigene Welt kreieren. Durch die visuellen Effekte gab es die zusätzliche Unterstützung, die das Ganze weiter aufwertet. Die VFX-Schmiede ist 58animation aus Frankfurt und Mikko Beste von Eitelsonnenschein, die zusammen gezaubert haben. 

Jasin Challah: Mit 58animation machte ich schon den Trailer, der uns sehr half, die Genre-Mix-Idee dem Sender schmackhaft zu machen. Ich wollte mit den Frankfurter Jungs zusammenarbeiten, weil ich wusste, wie viel Liebe sie in ihre Arbeit stecken. In den Trailer zauberten sie mir ein Monster, was eher an „Stranger Things“ erinnerte. Durch ZDFneo und die FSK12 haben wir das etwas zurückgefahren. Die wunderbare Redakteurin Sarah Flasch fragte nach, wie ich mich jetzt damit fühle. Aber ich fand, dass es auch funktioniert und insgesamt sympathisch ist. Wir überlegten uns gezielt, wo wir Spitzen setzen und etwas ausbrechen können wie zum Beispiel in der zweiten Episode mit Johanna Gastdorf, die von dem Geister-Parasiten befallen wird, und vor allem im Finale. Aber wir haben viel umgeschrieben. In einer Episode ist das Monster etwa der Kopierer. Es geht nur nicht um die Geister, sondern vor allem, dass wir glaubhaft aus den Charakteren heraus diese Geschichte erzählen.

Wie meinen Sie das konkreter?

Jasin Challah: Wenn die Figuren ernst genommen werden und funktionieren, und das Publikum glaubt, dass sie in Gefahr sind, dann macht die Serie Spaß. Mein echter Bruder Samy spielt in „Rembetis“ auch meinen Serien-Bruder. Wir beide haben einen speziellen Humor. Mein Bruder wandelt in der Rolle manchmal auf Jerry-Lewis- und Cartoon-Pfaden. Das ist nur möglich, weil wir seine Figur und die Emotionen ernst nehmen. Uns war wichtig, dass wir als neues Format auch neue Gesichter vor der Kamera haben. Sofia Koliofotos hatte bei uns ihre erste große Rolle. Fevronia, die in der Serie meine Schwester spielt, hat vorher noch nie geschauspielert. 

Sophie Averkamp: Sie brachten vor allem eine große Wärme in die Familiengeschichte. Ich habe es als Geschenk empfunden, solch ein Format für das deutsche Fernsehen umsetzen zu können, weil wir eine große kreative Freiheit bekamen. Ich hoffe, dass „Rembetis“ Erfolg hat und zeigt, dass es lohnt, den Mut zu haben, die Kreativen bei den berührenden und unterhaltsamen Geschichten zu unterstützen!

Das Interview führte Michael Müller