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SPOT Ausblick: So wird die Woche / KW 03


Liebe Leserinnen, liebe Leser,  
Um Sie über die wichtigsten Starts und Termine der kommenden Woche zu informieren, meldet sich Thomas Schultze aus der Chefredaktion des Branchendienstes SPOT stets am Samstag. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über alles, was in dieser Woche wichtig ist, wenn man sich in der Film-, Streaming- und Fernsehbranche bewegt.🤗

Unsere Abonnenten wissen längst, dass wir an dieser Stelle stets vor Beginn der Woche noch einmal einen Überblick geben, auf was zu achten sein wird in den folgenden sieben Tagen in der Welt des Kinos, Streamings und Fernsehen. Damit Sie bestens informiert sind und nichts Wichtiges verpassen. Wir freuen uns über Anregungen und Kritik. Und jetzt viel Freude beim SPOT Ausblick KW 03 – 12. bis 18. Januar 2026

Der Blick gilt erst einmal der kommenden Woche in Kino, Streaming und Fernsehen… 

DER AUSBLICK

KINO 📽️🍿

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„Extrawurst“ von Marcus H. Rosenmüller (Credit: STUDIOCANAL)

Extrawurst“ (STUDIOCANAL, hier unsere SPOT-Besprechung). Eines der erfolgreichsten originalen deutschen Boulevard-Theaterstpcke der letzten Jahre, geschrieben von den beiden Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Jetzt eine irre hopperslustige und pointierte Zeitgeist-Kinokomödie, inszeniert von Marcus H. Rosenmüller, der nach „Pumuckl und das große Missverständnis“ einen irren Lauf hat, und vor allem natürlich optimal und spektakulär besetzt mit Hape Kerkeling in seiner ersten Kinohauptrolle seit „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ aus dem Jahr 2009 (und seine erste große Filmrolle seit „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ vor vier Jahren). Und dazu an seiner Seite Christoph Maria HerbstFahri YardimAnja KnauerFriedrich Mücke und Gaby Dohm. Eine Produktion von Lieblingsfilmund STUDIOCANALARD Degeto ist Ko-Produzent.

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Amanda Seyfried und Sydney Sweeney in „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ (Credit: Daniel McFadden/Lionsgate)

2022 war Freida McFadden auf einmal da mit ihrem Roman „Wenn sie wüsste“, den sie drei Jahre zuvor geschrieben hatte, an den dann aber nur der britische Digitalverlag Bookouture glaubte: Mehr als zwei Millionen Exemplare wurden binnen kürzester Zeit verkauft von dem raffinierten Thriller, dessen vertrackte Erzählung in guter Weise an „Gone Girl“ erinnert und auf den in schneller Abfolge zwei Fortsetzungen folgten. Jetzt hat sich Paul Feig mit „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ (LEONINE Studios, hier unsere SPOT-Besprechung) an die Verfilmung gewagt, sein erster Kinofilm seit „Last Christmas“ von 2019 und lose verwandt mit „Nur noch ein kleiner Gefallen“, weil hier ebenfalls zwei Frauen im Mittelpunkt stehen, gespielt mit beachtlicher Superstarpower von Sydney Sweeney und Amanda Seyfried, die sich in einem stattlichen Herrenhaus ein Katz-und-Mausspiel liefern als Hausherrin und Angestellte, Brendan Sklenar aus „Nur noch ein einziges Mal“ und „Drop“ mittendrin. Die unerwarteten Wendungen kommen im Minutentakt, bis zur verblüffenden Auflösung. 

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„28 Years Later: The Bone Tower“ von Nia DaCosta (Credit: Sony Pictures Releasing)

Im vergangenen Juni gab Danny Boyle mit seinem „28 Years Later“ (hier die SPOT-Review) den Startschuss für eine wieder von Alex Garland geschriebene Horrortrilogie, die zwar knapp drei Jahrzehnte spielt, aber doch direkt ansetzt an ihren Kulterfolg „28 Days Later“ aus dem Jahr 2003, ein britischer Zombiefilm, wie es davor noch keinen gegeben hatte (damals 560.000 Tickets in den deutschen Kinos). Am Ende des endzeitlichen Schockers mit Aaron Taylor-JohnsonJodie Comer und Ralph Fiennes mit seinen vielen Verweisen auf „Apocalypse Now“ gibt es bereits einen Vorgeschmack auf Teil 2, „28 Years Later: The Bone Temple“ (Sony Pictures Entertainment), jetzt inszeniert von Nia DaCosta, horrorerfahren mit ihrem Remake „Candyman“ und aktuell im Gespräch mit ihrem „Hedda“ (Start bei Prime). In den letzten Szenen (kein Spoiler, sondern Ouvertüre zu dem neuen Film) trifft der Junge Spike, gespielt von Alfie Williams, erstmals auf den von Jack O’Connell gespielten Jimmy Crystal und seine durchgeknallte Bande. Und gibt zumindest einmal das Versprechen ab, dass „The Bone Tower“ eine Variante von „Clockwork Orange“ sein könnte. Und großartig wäre das denn?

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„Mother’s Baby“ von Johanna Moder (Credit: Freibeuter Film)

Mother’s Baby“ (jip film & verleih, hier unsere SPOT-Besprechung) von Johanna Moder ist einer der Filme aus dem Wettbewerb der 75. Berlinale, der eindringlich in Erinnerung geblieben ist. Fulminant besetzt mit Marie LeuenbergerHans LöwJulia Franz Richter und Claes Bang (in einer deutschsprachigen Rolle), erzählt die Österreicherin, die gerade erst eine der Regisseur:innen der Erfolgsserie „School of Champions“ war, in ihrer ersten Kinoarbeit seit „Waren einmal Revoluzzer“ von 2019 von einer jungen Frau, die nach der traumatischen Geburt ihres ersten Kindes überzeugt ist, dass mit ihrem Baby etwas nicht stimmt und seine Anwesenheit im eigenen Haus mit Unheil verbunden sein könnte. Der schleichende Thriller räumt mit Klischees auf, die generell mit dem Mutter-sein verbunden werden und funktioniert als Psychohorror im Stil eines „Rosemarys Baby“ oder „Ekel“. Produziert von Freibeuter Film; mit Tellfilm und Match Factory Productions als Koproduzenten.

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„Smalltown Girl“ von Hille Norden (Credit: Neue Visionen)

Ein starkes Spielfilmregiedebüt legt die Filmemacherin, Poetry-Slammerin und Schauspielerin Hille Norden mit Shootingstar Dana Herfurth („Call My Agent“) in der Hauptrolle mit „Smalltown Girl“ (Neue Visionen, hier unsere SPOT-Review) vor: ein mbitioniertes, mutiges und bewegendes Drama über zwei Freundinnen, die sich eine Wohnung und One-Night-Stands teilen, bis das schwesterliche Idyll durch die Erinnerung an verdrängte Traumata tiefe Risse bekommt. Die gebürtige Kielerin schrieb 2016 das Drehbuch für den Kinofilm „Jola“ und gab ihr Regiedebüt 2019 mit dem Dokumentarfilm „Khello Brüder“, gefolgt von „Heimat sucht Seele“ (2021). Ihr vielschichtiges, kluges Drehbuch war für den Deutschen Nachwuchs-Drehbuchpreis up-and-coming 2022 und für den Deutschen Drehbuchpreis 2023 nominiert und feierte Premiere beim Filmfest Hamburg in der Reihe „Große Freiheit“ und wurde ausgewählt für den Wettbewerb des 28. Tallinn Black Nights Film Festival. Produziert von der Hamburger Leitwolf Film in Zusammenarbeit mit dem ZDF/Kleines Fernsehspiel und Kinescope.

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„Madame Kika“ von Alexe Poukine (Credit: Little Dream Pictures)

Madame Kika“ (Little Dream Pictures) ist bestens festivalerfahren: Nach der Weltpremiere auf der 64. Semaine de la Critique in Cannes war die belgische Produktion der Regisseurin Alexe Poukine in München (CineMasters Award als bester internationaler Film), Karlovy Vary und Brüssel (beste Darstellerin: Manon Clavel) zu sehen. Und das mit gutem Grund: Die Geschichte einer überforderten, alleinerziehenden jungen Frau, die in ihrer Not mit Sexwork beginnt und darin eine ganz eigene und wunderbare Erfüllung findet, ist mit viel Einfühlungsvermögen und maximaler Offenheit erzählt, geht dabei tiefer als der inhaltlich vergleichbare „Broke. Alone. A Kinky Love Story“, eher eine moderne, nach vorne gewandte Variante von „Irma Vep“. 

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„Darlings“ von Lea De Boor und Steffen Maurer (Credit: Manuel Ruge, UCM.ONE)

Bereits aus dem Jahr 2023 stammt der über mehrere Jahre hinweg entstandene „Darlings“ (UCM.ONE), ein 76-minütiger Thriller von Lea De Boor und Steffen Maurer mit Thea Rasche, Paul Boche, Tom Böttcher und Ina-Lene Dinse in den Hauptrollen, in dem eine Grundschullehrerin aus Berlin ihren Freund gemeinsam mit dessen Bruder in das Dorf seiner Kindheit und Jugend begleitet und dort alsbald feststellt, dass er sich zusehends zu verändern beginnt und eine Gefahr für sie wird.

MEINE WOCHE

SPOT fragt in der Branche nach und will wissen, wie Ihre Woche filmisch aussieht. Diese Woche antwortet Andy Fetscher dabei. Der Regisseur hat zuletzt u.a. „Haveltod – Ein Potsdam-Krimi“ inszeniert, produziert von UFA Fiction. Der Krimi läuft am 13.1. um 20:15 Uhr bei RTL (ab dem Tag auch auf RTL+).

DER WEITERE AUSBLICK

KW 04 (19. – 25. Januar)

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„Die drei ??? – Toteninsel“ von Tim Dünschede (Credit: Sony)

• KINO 📽️🍿
Das Hohelied auf „Die drei ???“ singen zu wollen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Nach den ersten beiden Filmen mit den Figuren der Erfolgsmarke (Justus Jonas, Bob Andrews, Peter Shaw) vor knapp zwei Jahrzehnten, damals von Studios Hamburg für Disney in englischer Sprache in Südafrika realisiert, brachte erst der zweite Anlauf von Sony im Schulterschluss mit Wiedemann & Berg den richtigen, verdienten Erfolg. Mit Julius WeckaufLevi Brandl und Nevio Wendt in den ikonischen Titelrollen und souverän inszeniert von Tim Dünschede („Limbo“) nach Drehbüchern, die er mit Anil Kizilbuga und André Marx verfasst hat, war zunächst „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ mit 1,6 Mio. Tickets der meistgesehene deutsche Kinofilm 2023, gefolgt von „Die drei ??? und der Karpatenhund“ (hier unsere SPOT-Besprechung), der mit 1,2 Mio. Tickets zum ersten deutschen Ticketmillionär in den deutschen Kinos in diesem Jahr avancierte. Nun kommt der Abschluss der als Trilogie angelegten Reihe, „Die drei ??? – Toteninsel“ (Sony Pictures Entertainment Deutschland), nach Gruselfilm und Whodunnit nunmehr ein Actionfilm, back to back mit „Karpatenhund“ gedreht, eine der beliebtesten Geschichten der Hörspielreihe. Im Interview mit THE SPOT sagte Dünschede: „Am Ende werden es drei sehr unterschiedliche Filme sein, die man trotzdem als ein großes Ganzes betrachten kann, mit einem stringenten roten Faden, der sich durch die Trilogie zieht.“

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Jessie Buckley in „Hamnet“ von Chloë Zhao (Credit: Focus Features)

Kaum ein Film geht mit größeren Vorschusslorbeeren in das Kinojahr als die neue Arbeit von Oscargewinnerin Chloé Zhao, die nach ihrem kuriosen Ausflug in die Welt des Big-Budget-Filmemachens mit „Eternals“ wieder zurückkehrt zu der Art von Film, für die man sie kennt und für die sie mit „Nomadland“ den Academy Award hatte gewinnen können. Gleichzeitig ist auch „Hamnet“ (Universal Pictures International, hier unsere SPOT-Besprechung) Neuland für Zhao, ihr erster historischer Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Maggie O’Farrell, die hier nun auch gemeinsam mit der Regisseurin für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Darin dramatisiert sie eine wenig bekannte Episode aus dem Leben von William Shakespeare, der den Schmerz um den Tod seines elfjährigen Sohnes Hamnet erst mit dem Verfassen von „Hamlet“ verarbeiten kann, allerdings erzählt aus der Sicht seiner Frau Agnes. Es ist ein eindringlicher, bewegender, zärtlicher, bisweilen mystischer Film geworden, in dem Jessie Buckley und Paul Mescal in den Hauptrollen über sich hinauswachsen. Seit seiner Premiere in Telluride und Toronto (und der Europapremiere in London) zählt das virtuos kunstvolle Drama neben „One Battle After Another“ als Topfavorit der Oscarsaison. 

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Chris Pratt in „Mercy“ von Timur Bekmambetov (Credit: Amazon MGM Studios)

Seit seinem empfindlichen Flop mit „Ben Hur“ hat das russische Regiewunder Timur Bekmambetov den Ball eher flach gehalten, arbeitete wieder in seiner Heimat oder an filmischen Experimenten wie „Profile“. Nun meldet er sich wieder mit einem großen (größeren) Hollywoodfilm zurück, einen findig realisierten futuristischen Thriller, den er für Amazon MGM Studios realisieren konnte. Die Hauptrollen „Mercy“ (Sony Pictures Entertainment ) haben Chris Pratt und Rebecca Ferguson übernommen, eine Variante von „Minority Report“, in der ein Polizeibeamter beweisen muss, dass er in der Zukunft keinen Mord begehen wird. 

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„The Voice of Hind Rajab“ von Kaouther ben Hania (Credit: Mostra Venedig)

Bei der 82. Mostra in Venedig war „Die Stimme von Hind Rajab“ (STUDIOCANAL, hier unsere SPOT-Besprechung) eine der Sensationen des Festivals. Das neue Dokudrama von Kaouther Ben Hania, Regisseurin von „Olfas Töchter“, erhielt 24 Minuten stehende Ovationen bei seiner Weltpremiere und wurde von der Jury um Alexander Payne im Anschluss mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet – was viele Beobachter enttäuschte, die dem Film höhere Weihen zugetraut hatten. Es ist schier unmöglich, sich nicht berührt zu fühlen von der Aufarbeitung eines umfangreich belegten Kriegsverbrechens, das sich am 29. Januar 2024 in Gaza zugetragen hat und in dem die 100 Kilometer entfernten Mitglieder des Roten Halbmonds alles daran setzen, um ein in Gaza in einem Auto gefangenes fünfjähriges Mädchen zu retten, mit dem sie telefonisch verbunden sind. Tunesiens diesjähriger Beitrag für den International Oscar.

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„Stille Freundin“ von Ildikó Enyedi (Credit: Mostra Venedig)

Und noch eine kleine Sensation aus Venedig, nicht in gebührendem Maße wahrgenommen, weil der Film erst sehr spät im Festival gezeigt wurde, dort aber förmlich gefeiert wurde von der Weltpresse als Rückkehr von Regisseurin Ildikó Enyedi (Goldener Bär für „Körper und Seele“) zu alter Form nach dem reserviert rezipierten (von uns aber sehr geschätzten) „Die Geschichte meiner Frau“ von 2021. „Stille Freundin“ (Pandora Film / Die FilmAgentinnen) ist eine in drei in verschiedenen Epochen spielenden Episoden erzählte Geschichte, die sich rund um einen Baum in einem botanischen Garten entfalten, herausragend besetzt mit Tony LeungLéa SeydouxLuna Wedler (die in Venedig für ihren Auftritt den Nachwuchspreis gewann) und Enzo Brumm, eine deutsche Koproduktion mit der Pandora Filmproduktion. 

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„Die progressiven Nostalgiker“ von Vinciane Millereau (Credit: Neue Visionen)

Es muss nicht immer „Der letzte Bulle“ sein (oder „Pleasantville“): In ihrer beschwingten Komödie „Die progressiven Nostalgiker“ (Neue Visionen) lässt Vinciane Millereau eine betont konservative Familie nach dem Kurzschluss ihrer Waschmaschine (verflixte Technologie!) aus den Fünfzigerjahren mitten in unsere Gegenwart katapultieren und nimmt auf sympathische Weise Zeiten und Sitten auseinander. Elsa Zylberstein und Didier Bourdon übernehmen mit viel Spielfreude die Hauptrollen in dem liebevoll ausgestatteten Zeitreiseabenteuer – vorwärts in de Gegenwart – und landeten damit in den französischen Kinos einen Top-ten-Erfolg.

Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren
Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren (Credit: Farbfilm Verleih)

In einer Mischung aus nachgespielten Szenen, Wochenschau-Aufnahmen und Recherche-Momenten der Lindgren-Nachkommen hat Regisseur Wilfried Hauke auf Basis der erst 2015 veröffentlichten Tagebücher von Astrid Lindgren das Dokudrama „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ (farbfilm verleih, hier unsere SPOT-Review) realisiert. Die Tagebücher umfassen den Zeitraum des Zweiten Weltkrieges; die später weltberühmte schwedische Autorin hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein großes Werk veröffentlicht. Weltpremiere war am 6. November 2025 auf den Nordischen Filmtagen Lübeck.

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„Aisha Can’t Fly Away“ von Morad Mostafa (Credit: Semaine de la Critique)

Eine Koproduktion mit sieben Ländern, darunter auch Deutschland, ist „Aisha Can’t Fly Away“ (Rapid Eye Movies), den der ägyptische Regisseur Morad Mostafa im Un Certain Regard in Cannes vorgestellt hat, die Geschichte einer 26-jährigen Pflegekraft in Kairo, die dem Krieg im Sudan entflohen ist und nun durch ein regelrechtes Fegefeuer mit einer schwierigen Beziehung und unerbittlichen Gangkriegen geschickt wird. Es ist ein schonungslos realistischer Blick auf ein Kairo, das man in dieser Form nicht kennt, konterkariert von einem magischen Realismus, wie man ihn eher aus dem schwarzafrikanischen Kino kennt. 

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„Lesbian Space Princess“ (Credit: Salzgeber)

Ein herrlich ausgelassener und alberner Animationsfilm ist Emma Hough Hobbs und Leela Varghese mit „Lesbian Space Princess“ (Salzgeber) gelungen, der erste in Südaustralien realisierte abendfüllende Animationsfilm, der bei der 75. Berlinale im Panorama Weltpremiere feierte und den Teddy Award als bester Film gewinnen konnte. Die Geschichte einer Weltraumprinzessin, die gezwungen ist, ihren Heimatplaneten Clitopolis zu verlassen, um ihre entführte Ex-Freundin aus den Händen der Straight White Maliens zu befreien, ist ein kunterbunter Befreiungsschlag, der die Mittel der Animation nutzt, um beschwingt von sexueller Liberation zu erzählen, wie man es wohl seit „Barbarella“ nicht mehr gesehen hat, ein Mix aus „Gabby“ und „Felix the Cat“. 

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„Das fast normale Leben“ von Stefan Sick (Credit: mindjazz pictures)

Zwei Jahre lang begleitete Gerald Hüther für seinen Dokumentarfilm „Das fast normale Leben“ (mindjazz pictures) vier Mädchen Wohngruppe für Kinder und Jugendliche der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort, dokumentiert ihren Alltag, sieht ihnen bei einem Leben zu, das sie sich nicht ausgesucht haben, skizziert ihre Wünsche und Hoffnungen und die Sehnsucht, eines Tages doch wieder zu ihren Eltern nach Hause zurückkehren zu können. Man denkt an „Herr Bachmann und seine Klasse“ von Maria Speth oder „Favoriten“ von Ruth Beckermann, vielleicht auch an den jüngsten Film der Dardenne-Brüder, „Junge Mütter“. Es ist ein genaues, empathisches Porträt, das bei Schwierigkeiten nicht abblendet, nichts beschönigt, aber doch immer wieder Tribut zollt vor der Resilienz dieser Mädchen, denen nichts geschenkt wird und die dennoch einen Weg für sich finden müssen. 

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„Wir, die Wolfs“ von Dario Aguirre (Credit: Tiempo Filmproduktion)

Der Ururenkel des deutschen Forschers Theodor Wolf, dessen Name noch heute klingend ist in Ecuador, geht in„Wir, die Wolfs“ (barnsteiner-film) auf dokumentarische Spurensuche, wer dieser Mann wirklich war und wie er wirklich zu einer Familie in Südamerika steht. Dabei ist Diego Aguirre ein faszinierender Film gelungen, der stets Leichtigkeit ausstrahl und sich doch ernsthaft mit Themen auseinandersetzt wie Zugehörigkeit, Herkunft und Identität – und ein Statement abgibt zur Permeabilität von Erinnerungskultur.

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„Henriette und Guido – Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte“ (Der Filmverlehi)

Die Wiesbadener Regisseurin Stella Tinbergen erzählt in ihrem Dokumentarfilm „Henriette und Guido – Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte“ (Der Filmverleih) genau das, was der Titel verspricht: eine außergewöhnliche Geschichte über eine Systemsprengerin, die nicht anders kann.

KW 05 (26. Januar – 1. Februar 2026)

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„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Simon Verhoeven (Credit: Warner Bros. Entertainment)

• KINO 📽️🍿
Verhoeven verfilmt Meyerhoff. Muss man mehr wissen? Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ (Warner Bros. Entertainment) legt der Münchner Filmemacher Simon Verhoeven seinen dritten Film in drei Jahren vor (davor „Girl You Know It’s True“ mit 400.000 Tickets im 2023; „Alter weißer Mann“ mit 860.000 Tickets in 2024); gleichzeitig ist es die zweite Verfilmung eines der autobiographischen Bestseller von Joachim Meyerhoff – Sonja Heiss hatte „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ 2023 in die Kinos gebracht und damit 520.000 Tickets geholt. Auch der neue Film ist wieder eine Produktion von Komplizen Film – und damit der erste Film von Verhoeven seit „Männerherzen“, den er nicht mit Wiedemann & Berg realisiert, und sein erster Film seit „Nightlife“ (erfolgreichster deutscher Film in 2020 mit 1,4 Mio. Tickets) für Warner Bros. Erstmals seit „Willkommen bei den Hartmanns“ (sein bis heute erfolgreichster Film mit 3,8 Mio. Tickets, ebenfalls im Verleih von Warner Bros.) arbeitet der Filmemacher wieder mit seiner Mutter Senta Berger zusammen, die an der Seite von Michael Wittenborn als Großeltern der von Bruno Alexander, bekannt aus „Die Discounter“, gespielten Hauptfigur zu sehen ist. Die Geschichte spielt Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre und erzählt von den Versuchen des jungen Helden, nach dem Unfalltod seines Bruders in München neuen Sinn im Leben zu finden und sich als Schauspieler an der Otto Falckenberg Schule im Herzen der Stadt zu versuchen. In dem feinfühlig zwischen Komödie und Drama balancierenden Film sind in Gastauftritten Stars wie Karoline Herfurth,Tom Schilling und Anne Ratte-Polle zu sehen. 

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„Woodwalkers 2“ von Sven Unterwaldt (Credit: STUDIOCANAL)

Endlich geht es weiter mit der „Woodwalkers“-Saga: Ursprünglich hatte „Woodwalkers 2“ (STUDIOCANAL) exakt ein Jahr nach dem im Oktober 2024 gestarteten „Woodwalkers“ in die Kinos kommen sollen. Um mehr Zeit für die aufwändige Fertigstellung zu haben und die Marke nach den nur soliden Zahlen für Teil 1 (765.000 Tickets) noch einmal neu zu positionieren, wurde für das neue Abenteuer aus der Welt der Gestaltenwandler basierend auf der Bestsellerreihe von Katja Brandis (drei Mio. verkaufte Exemplare) ein neuer Starttermin gefunden: Die Regie übernahm diesmal der für seine zahlreichen Family-Entertainment-Hits bekannte Sven Unterwaldt, der zuletzt die Teile 2 und 3 von „Die Schule der magischen Tiere“ gemacht hatte (und aktuell mit Hape Kerkeling bereits an „Horst Schlämmer sucht das Glück“ arbeitet) – nachdem Teil 1 von Damian John Harper inszeniert worden war. Die Besetzung um Jungstar Emile Chérif wurde erweitert um neue Stars wie Tom Schilling und Moritz BleibtreuOliver Masucci ist unverändert der Gegenspieler. 

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Rachel McAdams in Sam Raimis „Send Help“ (Credit: © 2025 20th Century Studios)

Wenn er nicht gerade Franchises, Blockbuster oder Marvel-Filme (zuletzt „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ in 2022; 2,2 Mio. Tickets in Deutschland) dreht, kehrt Sam Raimi gerne zurück an seine Anfänge, als er mit „Tanz der Teufel“ einen der ewigen Klassiker des amerikanischen Splatterfilms erschuf. Nach „Drag Me to Hell“ aus dem Jahr 2009 ist „Send Help“ (Disney) ein weiterer Eintrag ins Genrebuch, wenngleich nur am Rande ein Horrorfilm, eher eine lustvolle Versuchsanordnung, ein Duell zweier Feinde auf engstem Raum nach allen Regeln der Kunst auszureizen: Rachel McAdams und Dylan O’Brien sind sich in aufrichtigem Hauss verbundene Arbeitskollegen, die als einzige einen Flugzeugabsturz überleben und sich auf einer einsamen Insel wiederfinden, wo sie sich entscheiden müssen, ob sie gemeinsam ums Überleben kämpfen – oder gegeneinander bis zum bitteren Ende. Jetzt raten sie mal, was es sein wird, wenn man einen Mix aus „Triangle of Sadness“ und „Der Rosen-Krieg“ erwartet…

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„Primate“ von Johannes Roberts (Credit: Paramount Pictures)

Dass auch kleinere Affen im Horrorfilm todbringende Feinde sein können, weiß man nicht erst seit Osgood Perkins’ „The Monkey“. Das haben bereits Richard Franklin in „Link“ und George Romero in den Achtzigerjahren in „Der Affe im Menschen“ durchdekliniert. Nun legt Johannes Roberts („Resident Evil: Welcome to Raccoon City“, „47 Meters Down: Uncaged“) nach mit „Primate“ (Sony/ Paramount), einer etwas konventionelleren Schauermär, die einen Familienurlaub auf Hawaii zum Horrortrip werden lässt, als der harmlos erscheinende Schimpanse Ben sich mit Tollwut infiziert und seine grenzenlose Wut an den Menschen auslässt, die ihm immer nur Gutes wollten. Hat auf imdb eine Bewertung von 6,4 Punkten, mehr als die vorangegangenen Arbeiten des Regisseurs. 

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„Charlie – Der Superhund“ (Credit: Splendid / 24 Bilder)

In den ICON Creative Studios („WondLa“) Kanadas größtem unabhängiges CG-Animations-Unternehmen, wurde unter der Regie von Shea Wageman das Familienabenteuer „Charlie, Der Superhund“ (Splendid Film / 24 Bilder Film) realisiert, in dem es um einen kleinen Jungen und seinen Hund Charlie, im Original gesprochen von Owen Wilson geht. Letzterer wird nach einer Entführung durch Außerirdische mit Superkräfte ausgestattet und ist bereit für alle Arten von Weltenrettung, worauf sein kleiner menschlicher Begleiter nicht vorbereitet ist. 

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„White Snail“ von Elsa Kremser und Levin Peter (Credit: Raum Zeit Film)

Ebenso in Locarno, allerdings ein Jahr später, feierte „White Snail“ (RFF Real Fiction, hier unsere SPOT-Besprechung) seine Premiere, das Spielfilmdebüt der für ihre experimentellen Arbeiten bekannten Elsa Kremser und Levin Peter, entstanden in einem aufwändigen und zehn Jahre umfassenden, abenteuerlichen Prozess vor Ort in Belarus. Intensiv und in symboltächtigen Bildern wird erzählt von der Beziehung zwischen einem Model und einem Pathologen, abseits narrativer Konventionen. Panama FilmRaumzeitfilm und Majade Film haben produziert mit ZDF/Kleines Fernsehspiel/Arte. In Locarno gewann „White Snail“ zwei Preise, den mit 30.000 Euro dotierten Spezialpreis der Jury sowie einen der beiden Darstellendenpreise für die beiden Hauptdarsteller Marya Imbro und Mikhail Senkov, die beide erstmals vor einer Filmkamera gestanden waren. Bei der Viennale gab es zudem den Erste Bank Filmpreis. 

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„Ungeduld des Herzens“ (Credit: Jan David Gunther)

Endlich kommt der Gewinner des letztjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis in die deutschen Kinos: „Ungeduld des Herzens“ (W-film Distribution, hier unsere SPOT-Besprechung) ist das starke, ambitionierte Spielfilmdebüt von Lauro Cress, der Stefan Zweigs Roman aus dem Jahr 1939 in die Gegenwart übersetzt. Beide Hauptdarsteller, Giulio Brizzi(„Race for Glory: Audi vs. Lancia“) und Ladina von Frisching („Die Theorie von allem“) können überzeugen  in dieser stilsicheren, tiefgründigen Charakterstudie eines Bundeswehrsoldaten, der sich aus Mitleid mit der querschnittsgelähmten Tochter eines reichen Bauunternehmers einlässt. Es handelt sich um Cress’ Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, koproduziert von Schiwago Film.

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„Die Schule des Mutes“ (Credit: Kinostar)

Wie gewohnt gibt es von den Angel Studios auch bei „Die Schule des Mutes“ (Kinostar) spirituelles Erweckungskino, allerdings längst nicht so evangelikal wie das Gros der Arbeiten des von seiner christlichen Botschaft beflügelten Studios. Bill Guttentags Film erzählt mit den Mitteln des Sportfilms von einer Gruppe von afghanischen Mädchen, die sich Schreckensherrschaft der Taliban seine Träume erfüllen kann.

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„Die Solisten“ von Anne Hepp (Credit: déjà vu film)

Sechs Jahre nach ihrem Debüt, 800 mal Einsam“, ein Porträt von Edgar Reitz, kehrt Filmemacherin Anne Hepp mit einem ungleich ambitionierteren Projekt. „Die Solisten“ (déjà-vu film) setzt sich mit dem gesellschaftlichen Bild des Alleinerziehenden auseinander und findet einen faszinierenden Ansatz, den Blick völlig neu zu richten. In ihrem Regie-Statement sagt Hepp: „Der Film verzichtet bewusst auf einen klassischen dokumentarischen Ansatz. Stattdessen wählt er einen essayistischen, verspielten Stil, der subjektiv, künstlerisch offen und zugleich politisch ist. Er lädt ein zur Reflexion über gesellschaftliche Strukturen, konservative Rollenbilder und die Vielfalt elterlicher Lebensentwürfe.“

KW 06 (2. – 8. Februar 2026)

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„Shelter“ von Ric Roman Waugh mit Jason Statham (Credit: Tobis)

Jason Statham. Hat einen Lauf. Weil die Fans wissen, was sie kriegen. Und der britische Actionstar auch im dritten Jahrzehnt seiner Karriere (Start mit „Bube, Dame, König, GrAs“ in 1998) weiß, was seine Fans wollen. Und er auch mit 58 Jahren immer noch den Körper hat, um das umzusetzen. Zwei Jahre nach „The Beekeeper“ (Start-WE mit 165.000 Tickets; gesamt 820.000 Tickets) und ein Jahr nach „A Working Man“ (Start-WE mit 110.000 Tickets; gesamt 365.000 Tickets folgt nun „Shelter“ (Tobis), seine erste Zusammenarbeit mit Gerard-Butler-Intimus Ric Roman Weigh (gerade auch im Kino mit „Greenland: Migration“), sonst aber ein Statham durch und durch mit einer Inhaltsangabe, die auf jeden zweiten Solo-Ausflug des auch als Teamplayer („Fast & Furious“, „Expendables“) jederzeit einsetzbaren Minimal-Mimen zutreffen würde (wortkarger Einzelgänger rettet Mädchen aus dem Meer und lädt damit böse Buben in sein einsames Zuhause auf einer Insel ein, was ihn seine Vergangenheit konfrontieren lässt). Könnte überdurchschnittlich gut sein. Weil Waugh das Handwerk des B-Actionthrillers beherrscht und mit Bill Nighy und Naomi Ackie zwei überaus gute Namen an der Seite Stathams gelistet sind.

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„Return to Silent Hill“ (Credit: LEONINE Studios)

Wo war eigentlich Christophe Gans abgeblieben, nach „Crying Freeman“ von 1995 und „Pakt der Wölfe“ von 2001 (860.000 Tickets) einer der ganz großen Hoffnungsträger des französischen Genrekinos? Seit seiner Version von „Die Schöne und das Biest“ (110.000 Tickets) mit Vincent Cassel und Léa Seydoux aus dem Jahr 2014 herrschte Funkstille. Nun kehrt Gans endlich zurück mit „Return to Silent Hill“ (LEONINE Studios), der Fortsetzung seiner Verfilmung des erfolgreichen Horror-Videospiels aus dem Jahr 2006, besetzt mit Radha Mitchell und Sean Bean und gesehen damals in den deutschen Kinos von 415.000 Fans. Nun also die Weitererzählung mit Jeremy Irvine aus „Outlander: Blood of My Blood“ und Hannah Emily Anderson, zuletzt in der Apple-Serie „Smoke“, in den Hauptrollen, in der ein junger Mann auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe aufgrund eines mysteriösen Briefs nach Silent Hill zurückkehrt und sich dort einem vertrauten Schrecken ausliefern muss. 

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„No Other Choice“ von Park Chan-wook (Credit: CJ ENM Co., Plaion Pictures)

In seinem ersten Film seit „Die Frau im Nebel“ (115.000 Tickets), der für Südkorea im Jahr 2022 ins Rennen um eine Oscarnominierung gegangen war, inszeniert Park Chan-wook mit „No Other Choice“ (Plaion Pictures / STUDIOCANAL, hier unsere SPOT-Besprechung) die Verfilmung von Donald E. Westlakes Roman „The Ax“ aus dem Jahr 1997. Dessen Geschichte übernahm bereits 1999 die französische schwarze Komödie „Die Axt“ von Costa-Gavras und sie findet sich nun auch identisch in „No Other Choice“: Ein stets zuverlässiger Manager einer Papierfabrik in den besten Jahren wird aus Gründen der Kosteneinsparung aus seinem Betrieb entlassen und greift 18 Monate später zu drastischen Mitteln, um beruflich wieder Fuß zu fassen können. Das ist so irrwitzig und einfallsreich und jederzeit subversiv inszeniert von Park Chan-wook, wie man es sich erhofft, sozusagen seine Version von „Parasite“, ebenso gallig und abgründig und erschütternd komisch und mit Lee Byung-hun in der Hauptrolle, einer der Superstars des südkoreanischen Kinos, den man auch hier aus Filmen wie „Terminator Genisys“ oder „Die glorreichen Sieben“ kennt. Ging zwar im Wettbewerb von Venedig leer aus, ist aber abermals Südkoreas Oscareinreichung. 

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„Ein Kuchen für den Präsidenten“ (Credit: SSIFF)

In Cannes zählte „Ein Kuchen für den Präsidenten“ (Vuelta Germany / Capelight Pictures, hier unsere SPOT-Besprechung) zu den großen Entdeckungen: Das Regiedebüt von Hasan Hadi, das später auch auf dem Zurich Film Festival und dem Filmfest Hamburg stürmisch beklatscht wurde, wurde für die Quinzaine des Cinéastes ausgewählt, wurde euphorisch besprochen und gewann dann folgerichtig auch den Publikumspreis. Die erste irakische Produktion, die nach Cannes eingeladen wurde, erzählt eine bewegende Abenteuergeschichte, die ein bisschen an „Amrum“ erinnert: Ein mittelloses Mädchen aus dem Marschland will im Jahr 1997 mit Hilfe eines benachbarten Jungen in der nächsten nahegelegenen Großstadt die nötigen Zutaten sammeln, nachdem sie vom Klassenlehrer den Auftrag erhalten hat, anlässlich des 50. Geburtstags von Präsident Saddam Hussein einen Kuchen zu backen – hier eine bisweilen fast märchenhafte Reise in die Großstadt, die vom Irak für die Oscars eingereicht wurde.

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„Der Schimmelreiter“ von Francis Meletzky mit Max Hubacher (Credit: Anke Neugebauer, Arsenal Filmverleih)

Nachdem sie zuletzt mit der Serie „Schlafende Hunde“ und dem Fernsehfilm „Ein ganz großes Ding“ nach einem Drehbuch von Ralf Husmann auf sich aufmerksam gemacht hatte, kehrt Francis Meletzky acht Jahre nach „Vorwärts immer!“ mit ihrer neuen Interpretation von „Der Schimmelreiter“ (Arsenal Filmverleih) ins Kino zurück. Es ist die fünfte Verfilmung der bedeutsamsten Erzählung von Theodor Storm, die dieser kurz vor seinem Tod im Jahr 1888 fertigstellen konnte und in der die Tragödie des fiktiven Deichgrafen Hauke Haien erzählt wird. Sie folgt nur ein Jahr auf die sehr freie Adaption „Die Flut – Tod am Deich“ von Andreas Prochaska und ist die erste Adaption des Stoffs einer Filmemacherin. Meletzky arbeitet mit einem Drehbuch von Léonie-Claire Breinersdorf und versetzt die mit Max HubacherOlga von Luckwald und Annette Frier besetzte Verfilmung in die Gegenwart. Eine Produktion von B+M EntertainmentWhee FilmGretchenfilm und Network Movie.

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„Sabbatical“ von Julia Angermeier mit Seyneb Saleh und Trystan Pütter (Credit: Farbfilm)

Mit Seyneb Saleh und Trystan Pütter ist „Sabbatical“ (farbfilm verleih / Filmwelt), das Debüt der als Autorin bekannten Judith Angerbauer als Regisseurin, nachdem sie 2013 bei „Sonnwende“ Ko-Regie geführt hatte, hochkarätig und absolut richtig besetzt. Für die beiden erweist sich ein gemeinsames Sabbatical mit ihrer Tochter in Griechenland als unerwartete Zerreißprobe für die Beziehung, speziell als sein Bruder unangekündigt aufkreuzt.

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„Winter in Sokcho“ von Koya Kamura (Credit: Film Kino Text)

Bei „Winter in Sokcho“ (Film Kino Text) handelt es sich um Koya Kamuras Verfilmung des gleichnamigen Romans von Elisa Shua Dusapin, die Premiere auf dem TIFF 2024 feiern konnte und in Deutschland erstmals auf dem Filmfest München zu sehen war. Hochkarätig besetzt mit Roschdy Zem sowie der Neuentdeckung Bella Kim, erzählt der Film von einem koreanischen Mädchen, dessen Leben durcheinandergewirbelt wird, als ein französischer Comic-Künstler ihr Städtchen besucht.

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„Only Good Things“ von Daniel Nolasco (Credit: GM Films)

Daniel Nolasco wird auch in „Only Good Things“ (GMfilms) seinem Ruf gerecht, der brasilianische Meister des schwulen Melodrams zu sein. Er erzählt eine schwüle und eindeutige Geschichte in der brütend heißen Einöde, wo der lässige Typ aus der Großstadt im Jahr 1984 nach einem Motorradunfall von einem jungen Mann gepflegt wird und sich daraus eine Geschichte entspinnt, die Tennessee Williams ist ebenso wie Douglas Sirk und Radley Metzger, die nichts der Imagination überlässt, aber doch gerade lebt von einer souveränen Rätselhaftigkeit.

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„Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten“ von Paul Smaczny (Credit: Weltkino)

Ein Dokumentarfilm, der Fans klassischer wie moderner Malkunst interessieren wird: In „Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten“ (Weltkino) erzählt Regisseur Paul Smaczny von einem ungewöhnlichen Auftrag, den der für seine nach dem Vorbild von Dürer und Raffael entstandenen Arbeiten bekannte Leipziger Künstler Michael Triegel erhält: Er soll den Mittelteil des Altars im Naumburger Doms neu gestalten, 500 Jahre nachdem Cranachs Originalarbeit zerstört worden war – ohne dass es Aufzeichnungen davon gäbe, wie dieses Werk Cranachs ausgesehen hatte. 

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„Folktales“ von Heidi Ewing (Credit: mindjazz pictures)

In ihrem Dokumentarfilm „Folktales“ (mindjazz pictures), eine amerikanisch-norwegische Produktion, erzählt Heidi Ewing von amerikanischen Teenagern, die ein Auslandsjahr an einer abgelegenen Volkshochschule im arktischen Norwegen verbringen. Dort sind sie auf sich selbst, aufeinander und ein Rudel treuer Huskies angewiesen und entdecken, das Leben ganz anders zu sehen und zu erleben.

KW 07 (9. – 15. Februar 2026)

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„Wuthering Heights – Sturmhöhe“ von Emerald Fennell (Credit: Warner Bros. Entertainment)

Da kommt ein großer Film auf uns zu, fast schon selbstredend von dem Studio, das auch 2025 mit Titeln wie „Blood & Sinners“, „Weapons“ oder „One Battle After Another“ unverändert auf Originalstoffe mit originellen Geschichten und/oder markanter Starpower und eigener filmemacherischer Handschrift setzt. Und erfolgreich damit ist. Warner Bros. greift den Faden 2026 direkt auf. Noch bevor Maggie Gyllenhaals „The Bride!“ starten kann, geht die unvergleichliche Emerald Fennell an den Start mit dem ersten Filmprojekt, auf das sich Margot Robbie nach ihrem Sensationserfolg mit „Barbie“ committet hat, mit dem upcoming Superstar Jacob Elordi an ihrer Seite: „Wuthering Heights – Sturmhöhe“ (Warner Bros. Entertainment) ist einerseits ein Klassiker – der legendäre Roman von Emily Brontë wurde seit 1920 immer wieder verfilmt, am bekanntesten 1939 von William Wyler, die letzte bedeutsame Adaption kam 2011 von Andrea Arnold mit Kaya Scodelario in der Hauptrolle. Fennells Verfilmung der leidenschaftlichen Liebesgeschichte vor der Kulisse der Yorkshire-Moore, die die zerstörerische Beziehung zwischen Heathcliff und Catherine Earnshaw thematisiert, dürfte die wohl spektakulärste und respektloseste werden, wenn der Film auch nur annähernd so gewagt und transgressiv geraten sollte wie die ersten beiden Filmarbeiten der oscarnominierten Britin, „Promising Young Woman“ und „Saltburn“.

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„Die Ältern“: Sohn Nick (Philip Müller), Sara (Anna Schudt), Hannes (Sebastian Bezzel) und Tochter Carla (Kya-Celina Barucki) mit Freund Paul (Enzo Brumm) (Credit: Constantin Film)

Die wunderbar trocken-humorigen und mit scharfem Auge beobachteten, stets autobiographischen Romane von Jan Weiler, basierend auf seinen beliebten Kolumnen, kennt man im Kino bereits aus Leander Haußmanns „Das Pubertier“ aus dem Jahr 2017 (gefolgt von einer gleichnamigen Fernsehserie; die zwei Folgeromane, „Im Reich der Pubertiere“ und „Und ewig schläft das Pubertier“ blieben unverfilmt). Nun kehrt Weiler ins Kino zurück mit einer weiteren Fortsetzung, in der es wieder um dieselbe Familie geht, allerdings diesmal um primär um den Familienvater, gespielt von Sebastian Bezzel, der in „Die Ältern“ (Constantin Film Verleih) damit konfrontiert wird, dass seine flügge gewordene Tochter ausziehen will und seine Frau gleich mit, während er ohne Karriere, aber mit Sohn allein zuhause bleibt. Sönke Wortmann, der Weiler bereits mit „Eingeschlossene Gesellschaft“ (335.000 Tickets in 2022) verfilmt hat und zuletzt mit „Der Spitzname“ wieder einen Millionenerfolg gelandet hatte, hat die Inszenierung der Coming-of-Age-Komödie für Erwachsene übernommen, gewohnt souverän und mit einem genauen Blick auf die Figuren und die Dialoge. In weiteren Hauptrollen sieht man Anna SchudtKya-Celina Barucki und Philip Müller. Für die Produktion zeichnen Christoph Müller und Nurhan Şekerci-Porst verantwortlich. 

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„Crime 101“ von Bart Layton (Credit: Amazon MGM Studios)

Ein lupenreiner Actionthriller ein bisschen im Stil des stets unterschätzten Wayne Kramer ist die Amazon-MGM-Produktion „Crime 101“ (Sony Pictures Entertainment), in der „American Animals“-Regisseur Bart Layton auf die Starpower von Chris Hemsworth und Halle Berry setzt und der mehr oder weniger komplett auf dem Freeway 101 durch Los Angeles spielt. Hemsworth spielt einen schwer fassbaren Dieb, dessen hochriskante Raubüberfälle die Polizei vor ein Rätsel stellen und der nunmehr seinen größten Coup plant, bei dem nicht alles so läuft, wie zunächst geplant ist. Mit von der Partie sind außerdem Barry KeoghanMark Ruffalo und Monica Barbaro.

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„Der letzte Walsänger“ (Credit: Telescope Animation)

Bei seiner Weltpremiere auf dem Schlingel-Filmfestival wurde der Animationsfilm „Der letzte Walsänger (Little Dream / justbridge / Central Film) von „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“-Regisseur Reza Memari und „Meine Chaosfee und ich“-Produzentin Maite Woköck mit dem Club of Friends Award als bester Kinderfilm ausgezeichnet. Es ist der erste Spielfilm ihrer Telescope Animation. Dabei wird die ebenso klassische wie moderne Helden- und Selbstfindungsreise eines jungen Buckelwals erzählt, der seine Stimme und damit seine Bestimmung finden muss.

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„Once Upon a Time in Gaza“ von Tarzan und Arab Nasser (Credit : ImmerGuteFilme)

Vielfach prämiert kommt „Once upon a Time in Gaza“ (IMMERGUTEFILME) endlich in die deutschen Kinos. Die Brüder Arab & Tarzan Nasser hatten sich nach der Weltpremiere im Un Certain Regard in Cannes den Regiepreis der Reihe gesichert für ihren Film, der von deutscher Seite von Red Balloon Film und Riva Filmproduktion mitproduziert wurde. Und gerade erst im November konnte sich der packende Film aus dem Brennpunkt Gaza, wo ein junger Mann auf Rache für den brutalen Mord an seinem besten Freund sinnt, sich obendrein drei Preise beim Cairo International Film Festival sichern. 

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„Das Beste liegt noch vor uns“ von und mit Nanni Moretti (Credit: Prokino)

Besser spät als gar nicht: Bereits 2023 hatte Nanni Moretti seine jüngste Regiearbeit wie gewohnt im Wettbewerb von Cannes vorgestellt. Jetzt kommt „Das Beste liegt noch vor uns“ (Prokino Filmverleih, hier unsere SPOT-Besprechung) endlich auch bei uns in die Kinos, die Geschichte eines wie gewohnt von Moretti selbst gespielten Filmemachers, der mit seiner Beziehung zu seiner Familie ebenso kämpft wie mit seinem neuesten Film über die Auswirkungen der sowjetischen Invasion in Ungarn 1956 auf die Kommunistische Partei Italiens. Wie gewohnt macht der vormalige Gewinner der Goldenen Palme mit „Das Zimmer meines Sohnes“ aus seinem Herzen keine Mördergrube und hat auch das Herz auf dem rechten Fleck in dieser milden Auseinandersetzung mit politischen Idealen, die als Höhepunkt einen musikalischen Flashmob mit Moretti mittendrin zu bieten hat. Und das ist dann überhaupt nicht wie gewohnt. Sondern sehr anrührend. 

KW 08 (16. – 22. Februar 2026)

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„G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge“ (Credit: Sony Pictures Releasing)

Wenn Sony Pictures Animation an den Start geht, bekommt man als Ergebnis in der Regel herausragende und sehr spezielle Filme – es reicht ein Blick auf „Spider-Man: A New Universe“ wie „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ sowie den Netflix-Smasherfolg „KPop Demon Hunters“. Jetzt also „G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge“ (Sony Pictures Entertainment), der auf den ersten Blick vor allem in den USA ein Selbstläufer sein dürfte, dank der engen Beteiligung von NBA-Superstar Stephen Curry, der nicht nur eine der Hauptfiguren spricht, sondern auch als Produzent mit an Bord ist: eine Action-Komödie in einer Welt, in der nur Tiere leben und in der eine kleine Ziege die einmalige Chance bekommt, sich den Profis anzuschließen und Roarball zu spielen – ein Vollkontaktsport, der von den schnellsten und wildesten Tieren der Welt dominiert wird. Der Look ist gemäß den genannten Vorgängern modern und progressiv, deutlich anders als der Ansatz, den die Konkurrenz der anderen Studios gemeinhin pflegt. Die Hauptfigur wird im Original von Caleb McLaughlin aus „Stranger Things“ gesprochen. Warten wir ab, ob sich die Begeisterung auch auf das deutsche Publikum überträgt.

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„Cold Storage“ mit Georgina Campbell und Joe Keery (Credit: STUDIOCANAL / Reiner Bajo)

Ordentlich zur Sache – nicht zuletzt in Sachen platzende Körperteile – geht es in der Horrorkomödie „Cold Storage“ (STUDIOCANAL) von Johnny Campbell. Die Vorlage lieferte Drehbuchautor David Koepp, der (natürlich) auch für das Skript rund um einen Killerorganismus verantwortlich zeichnete, der sich mit aller Macht auf der Erde verbreiten will. Joe Keery („Stranger Things“) und Georgina Campbell („Barbarian“) spielen darin zwei junge Angestellten eines Lagerhauses, das auf dem Gelände einer alten US-Militärbasis errichtet wurde. Sie erleben die wildeste Nachtschicht ihres Lebens, als ein parasitärer Pilz aus dem untersten Untergeschoss der Basis entkommt, wo er vor Jahren von der Regierung eingeschlossen worden war. Mit der Hilfe eines erfahrenen pensionierten Bioterrorismus-Experten (Liam Neeson) versuchen die beiden jungen Helden, die gnadenlose Bedrohung einzudämmen. 

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„Dust Bunny“ von Bryan Fuller mit Sophie Sloan und Mads Mikkelsen (Credit: DCM)

Seinen Platz im Pantheon der Schöpfer großer Serien hat Bryan Fuller sicher: Auf sein Konto geht das „Das Schweigen der Lämmer“-Spinoff „Hannibal“ mit Mads Mikkelsen in der Titelrolle, die Anthony Hokpins 1992 einen Oscar eingebracht hatte. Nun drängt Fuller ins Kino, und das selbstredend nicht mit einem gewöhnlichen Stoff. „Dust Bunny“ (DCM) erzählt vielmehr die Geschichte eines Mädchens, das einen benachbarten Auftragskiller anheuert, der sich um das Monster unter ihrem Bett kümmern soll, das ihre Eltern gefressen haben soll. Die visuelle Gestaltung ist 150 Prozent, ein greller Fiebertraum, der das Publikum auf eine aberwitzige Reise schickt. An der Seite der Entdeckung Sophie Sloan spielen nicht nur Mads Mikkelsen, sondern auch Sigourney Weaver und Sheila Akim. Weltpremiere in Toronto. 

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„Dead of Winter – Eisige Stille“ von Brian Kirk (Credit: LEONINE Studios)

Im Rahmen des Locarno Film Festival konnte „Dead of Winter – Eisige Stille“ (LEONINE Studios, hier unsere SPOT-Besprechung) seine Weltpremiere feiern (und später dann auf dem FFCGN seine Deutschlandpremiere, ein winterlicher Actionthriller mit Anleihen bei „The American“ und „Fargo“ und so ungefähr jedem entsprechenden Film mit Liam Neeson in der Hauptrolle, in dem die wunderbare Emma Thompson in die Fußstapfen all der Helden des Genrekinos tritt, die als einfache Jedermänner in brenzlige Situationen geraten und sich beweisen müssen. Brian Kirk, dessen Arbeit uns schon in „21 Bridges“ mit dem legendären Chadwick Boseman so gut gefallen hat, inszeniert die Geschichte einer Witwe im eisigen Minnesota, die einem entführten Mädchen zur Hilfe eilt, schnörkellos und geradlinig, aber auch immer da mit großer Geste, wo das Genre danach verlangt. Eine majoritär deutsche Produktion der augenschein Filmproduktion (Jonas KatzensteinMaximilian Leo), wohlgemerkt, die unverändert überzeugen mit ihren spannenden internationalen Arbeiten.

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„Sie glauben an Engel, Herr Dworak?“ mit Luna Wedler (Credit: X Verleih)

Die Schöne und das Biest. Aber ganz anders. Luna Wedler und Karl Markovics spielen die Hauptrollen von „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ (X Verleih / Warner Bros. Entertainment) von Regisseur Nicolas Steiner, das Drehbuch wurde von Bettina Gundermann geschrieben und gemeinsam mit Pascal Nothdurft entwickelt. Sie ist eine ans Gute im Menschen glaubende Studentin, die sich als Schreibtrainerin bewirbt und in diesem Zuge auf ihn trifft, einen Gift und Galle spuckenden Obdachlosen, der sich im Krieg mit der Welt und vor allem sich befindet. Eine Konfrontation, die mit viel Wärme und Humor erzählt wird und vor allem in bestechenden Schwarzweißbildern des österreichischen Kameramanns Markus Nestroy, der für seine Arbeit beim Shanghai Film Festival mit dem Golden Goblet Award ausgezeichnet wurde. Eine deutsch-schweizerische Koproduktion von Zieglerfilm Baden-Baden (Produzenten Marc Müller-Kaldenberg und Pascal Nothdurft) und tellfilm, Schweiz (Produzentin Katrin Renz).

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„Das Flüstern der Wälder“ (Credit: Pandora Film)

Der französische Wildtierfotograf und Dokumentarfilmer Vincent Munier bleibt sich auch in seinem neuen Film treu: Nach der mit einem César ausgezeichneten Natur-Doku „Der Schneeleopard“(45.000 Tickets in 2021) hält er mit dem sehr persönlichen „Das Flüstern der Wälder“ (Pandora Film) den Wald in den Vogesen ebenso als Biotop wie auch als Lebensraum, als poetischen Klangkörper fest und erzählt gleichzeitig von seiner Familie, von Vater, Sohn und Enkel, die im Einklang mit der Natur Gemeinsamkeiten entdecken und pflegen.

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„Made in EU“ von Stephan Komandarev (Credit: jip film & verleih)

Stephan Komandarev zählt zu den renommiertesten und engagiertesten Filmemachern Bulgariens, war mit „Eine Frage der Würde“ und „The Judgement“ jeweils der Oscarbeitrag seines Landes. „Made in EU“ (jip film & verleih) feierte nun auf der 82. Mostra in Venedig Weltpremiere und war im Anschluss erstmals in Deutschland auf dem Filmfest Hamburg zu sehen, ein weiteres, sehr starkes Sozialdrama, das die Anfänge der Corona-Pandemie als Aufhänger nimmt, um mit seiner Geschichte einer Fabrikarbeiterin, die in ihrem Dorf als erster Covid-Fall für Aufsehen sorgt und damit zum Brennpunkt einer Gemeinde wird, die von den Mühlen des europäischen Turbokapitalismus zermalmt zu werden droht.  

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„Souleymans Geschichte“ von Boris Lojkine (Credit: Film Kino Text)

Souleymans Geschichte“ (Film Kino Text / Die FilmAgentinnen) ist ein französischer Film aus dem Jahr 2024 von Regisseur Boris Lojkine, der die fesselnde Geschichte eines jungen Einwanderers aus Guinea erzählt, der in Paris als Essenslieferant arbeitet und mit den Herausforderungen des Lebens in Frankreich kämpft. Nachdem Lojikine seine beiden vorangegangenen Arbeiten, „Hope“ und „Camille“ (Publikumspreis der Piazza Grande in Locarno) noch in Subsahara-Afrika angesiedelt hatte, verlagert er den Schauplatz nun mitten hinein ins Herz von Europa, nach Paris, wo er Laiendarsteller Abou Sangare in der Titelrolle groß aufspielen lässt, ein Dokument einer bitteren Realität in unserer Welt, mit einer Leidenschaft und Empathie, wie man sie aus den Filmen von Ken Loach kennt. 

KW 09 (23. Februar – 1. März 2026)

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„Ein fast perfekter Antrag“ von Marc Rothemund mit Heiner Lauterbach und Iris Berben (Credit: LEONINE Studios)

Wie gut Regisseur Marc Rothemund und Autor Richard Kropf zusammenarbeiten, haben sie bereits bei „Wochenendrebellen“ bewiesen, der sich mit 1,05 Mio. Tickets als Hit im Kinoherbst 2023 erwies. Und dass man mit dem Begriff „Crowdpleaser“ nicht falsch liegt, unterstreicht der Umstand, dass der Film mit Florian David Fitz an seinem dritten WE (111.000 Tickets) über dem Start-WE (105.000 Tickets) lag. Nun haben sich die beiden also zu einer romantischen Komödie zusammengefunden. „Ein fast perfekter Antrag“ (LEONINE Studio) setzt all die Zutaten ein, die schon „Wochenendrebellen“ haben funktionieren lassen (nahbare Figuren, pfiffige Dialoge, Situationskomik, die richtige Dosis Emotion), und verbindet sie mit einem griffigen Thema: Liebe im letzten Lebensdrittel, Neustart nach der Pension. Und hat mit Heiner Lauterbach und Iris Berben die beiden optimalen Hauptdarsteller, die zwar schon öfters gemeinsam vor der Kamera standen, aber noch nie zusammen die Hauptrollen in einer Komödie gespielt haben. Allesamt Dinge, die unbedingt sprechen für diesen einfühlsamen Film über einen pedantischen Witwer, der nach seiner Pensionierung überraschend die Liebe seiner Jugend wiedertrifft, der er einst einen folgenschwer katastrophalen Antrag gemacht hatte – und nun seine zweite Chance gekommen sieht, auch wenn sie das ganz anders empfindet. 

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„Marty Supreme“ von Josh Safdie mit Timothée Chalamet (Credit: A24 / Tobis)

Bruder Benny legte mit „The Smashing Machine“ vor, nun folgt Josh Safdie nach mit seinem eigenen Solo-Regiedebüt: „Marty Supreme“ (Tobis, hier unsere SPOT-Besprechung) ist atmosphärisch und tonal näher am bisherigen Output der Brüder, an atemlosen Filmen wie „Good Time“ und vor allem „Uncut Gems“, weiter aber gleichzeitig die Kampfzone aus, trägt seine ausufernd Geschichte auf einer größeren Leinwand auf – und lebt natürlich nicht in unbeträchtlichem Maße von der Darstellung von Timothée Chalamet, der gerade einmal ein Jahr nach „Like a Complete Unknown“ eine abermalige Karrierebestleistung vorlegt als Marty Mauser, der in den Fünfzigerjahren alles daran setzt, der Welt Glauben zu machen, dass in ihm der größte Tischtennisspieler aller Zeiten schlummert. Daraus entwickelt sich ein verrücktes Bubenstück, temporeich, überraschend und ungemein gewinnend: Die bisher teurste Produktion von A24 wird von dem Indiestudio nach seiner Geheimpremiere beim New York Film Festival in den USA als großer Weihnachtsfilm gestartet und kommt bei uns kurz nach der Berlinale zum fast identischen Termin wie „Like a Complete Unknown“ vor einem Jahr gestartet. Gwyneth Paltrow spielt ihre erste Kinorolle seit Jahren und erinnert nicht von ungefähr an ihre Margot Tenenbaum in „Die Royal Tenenbaums“.

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„Scream 7“ (Credit: Paramount Pictures)

Nachdem das „Scream“-Franchise im Frühjahr 2022 ein Reboot erlebt hatte, nach der originalen Trilogie von 1996 bis 2000 (1,5 Mio. Tickets, 1,35 Mio. Tickets, 1,8 Mio. Tickets) sowie einem späten vierten Teil von 2011 (430.000 Tickets), zunächst mit einem einfach nur „Scream“ betitelten fünften Teil (345.000 Tickets) und dann „Scream VI“ etwas mehr als ein Jahr später (365.000 Tickets), folgt nun „Scream 7“ (Sony / Paramount). Die beiden vorangegangenen Teile hatten Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett nach Drehbüchern von James Vanderbilt und inszeniert, die zuletzt „Abigail“ gemacht haben und 2026 mit „Ready Or Not 2“ in die Kinos kommen werden, diesmal sitzt Kevin Williamson im Regiestuhl, der Originalautor der ersten vier Teile, der diesmal auch wieder für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Teil 7 markiert auch die Rückkehr von Neve Campbell als Sidney Prescott, nachdem sie im vorangegangenen Teil pausiert hatte: Diesmal macht ein neuer Ghostface-Killer Jagd auf ihre Tochter in dem kalifornischen Städtchen, in dem sie bislang Frieden gefunden hatten (auch wenn dort im Kino „Texas Chainsaw Massacre“ läuft). Mit dabei, wie immer, Courteney Cox sowie Isabel May aus „1883“. 

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„Scarlet“ (Credit: ©2025 STUDIO CHIZU)

Nachdem das Anime-Genre mit „Demon Slayer: Kimetsu no yaiba – Infinity Castle“ (1,1 Mio. Tickets) und „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“ (280.000 Tickets) so erfolgreich wie nie zuvor war, soll dieser Erfolg im neuen Jahr noch einmal gesteigert werden. Den Anfang macht „Scarlet“ (Sony Pictures Entertainment / Crunchyroll), der neue Film des Oscar-nominierten Regisseurs Mamoru Hosoda („MIRAI – Das Mädchen aus der Zukunft“). Es handelt sich um ein zeitübergreifendes Animationsabenteuer über eine Prinzessin aus dem Mittelalter, die sich auf eine gefährliche Mission begibt, um den Tod ihres Vaters zu rächen, und sich schwer verletzt in einer jenseitigen Welt wieder, wo sie auf einen Mitstreiter aus der Gegenwart trifft. 

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„Father Mother Sister Brother“ von Jim Jarmusch (Credit: Vague Notion, Carole Bethuel)

Oh shit. Sagte Jim Jarmusch, als er bei der Preisverleihung in Venedig erfuhr, dass ihm die Jury um Alexander Payne den Goldenen Löwen der 82. Mostra zugesprochen hatte für  „Father Mother Sister Brother“ (Weltkino, hier unsere SPOT-Besprechung) ein in drei Episoden aufgeteilter Triptychon in drei verschiedenen Ländern, in denen jeweils zwei Geschwister ihre Eltern, anwesend oder nicht, konfrontieren müssen. Der erste Film von Jarmusch seit „The Dead Don’t Die“ in 2019 ist eine maximal untertourige Angelegenheit, aber eine große Freude, wenn man dem Film die Zeit gibt, seine kleinen Freuden zu entwickeln. Dazu trägt auch die wunderbare Besetzung u. a. mit Adam DriverCate BlanchettVicky Krieps und Tom Waits bei, die diese filmische Miniatur mit sichtlichem Vergnügen zu Leben erwecken. Amerikapremiere auf dem 63. New York Film Festival; Europapremiere auf dem 21. Zurich Film Festival.

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„Friedas Fall“ (Credit: Condor Films)

Das Todesurteil für eine Kindsmörderin mobilisierte im Jahr 1904 in St. Gallen die Frauenbewegung in der Schweiz: Das tiefgründige Drama „Friedas Fall“ (Arsenal Filmverleih, hier unsere SPOT-Besprechung) basiert auf dem historischen Justizskandal und dem Roman „Die Verlorene“ von Michèle Minelli. Die deutsch-schweizerische Regisseurin Maria Brendle, deren Kurzfilm „Ala Kachuu“ 2022 für den Oscar nominiert wurde, gibt ein beeindruckendes, gesellschaftskritisches Spielfilmdebüt, eine Art historischer „Saint Omer“, in dem Julia Buchmann in der Titelrolle einen großartigen Auftritt hat. Es gab eine gefeierte Weltpremiere beim 20. Zurich Film Festival, danach wurde der Film dreifach nominiert für den Schweizer Filmpreis (Rachel Braunschweig gewann als beste Nebendarstellerin).

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„Night Stage“ von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher (Credit: Salzgeber)

Mit „Night Stage“ (Salzgeber) haben die Teddy-Preisträger Marcio Reolon und Filipe Matzembacher einen hintergründigen Thriller geschaffen, der sich mit seiner kraftvollen Bild- und Farbgebung an den erotischen Meisterwerken eines Brian De Palma und Paul Verhoeven orientiert, sich aber doch auch betont seiner brasilianischen Kulisse verpflichtet fühlt in der Geschichte der verbotenen Affäre zwischen einem aufstrebenden Schauspieler und einem jungen Politiker, der Bürgermeister von Porto Alegre werden will. Es gibt viel Neonlicht, viel schweißtreibenden Sex, einen pulsierenden Soundtrack und in der Summe einen faszinierenden Film, der die dritte Arbeit des Regieduos zu ihrer bisher besten macht. 

KW 10 (2. – 8. März 2026)

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„The Bride – Es lebe die Braut!“ von Maggie Gyllenhaal (Credit: Warner Bros. Entertainment)

Dass es sich lohnt, Filmemachern mehr Zeit zu geben, ihre Filme fertigzustellen, speziell wenn es sich um eine höchst persönliche Vision handelt, hat Warner Bros. im vergangenen Jahr gezeigt, als man den Starttermin von „Blood & Sinners“ und „Mickey 17“ tauschte, damit Ryan Coogler seinen Film richtig finetunen konnte. Die Verschiebung des neuen Films von Maggie Gyllenhaal, die 2021 ein tolles Regiedebüt gegeben hatte mit „Frau im Dunkeln“ (Drehbuchpreis in Venedig), ist indes eine andere Sache, sie beträgt fast ein halbes Jahr, vom ursprünglich angestrebten Termin im Herbst aufs Frühjahr – da handelt es sich dann wohl eher um strategische Gründe, den Titel aus einem überfüllten Umfeld zu nehmen, ihn besser zu positionieren, womöglich mit einem passenden Festivalstart. Wie auch immer: Seitdem die Studiochefs Michael DeLuca und Pamela Abdy auf der CinemaCon im April erstes Bewegtbildmaterial aus „The Bride! – Es lebe die Braut“ (Warner Bros. Entertainment) gezeigt haben, steht der Film ganz oben auf der SPOT-Must-See-Liste, ein wildes, ungezügeltes Remake von „Frankensteins Braut“ von James Whale aus dem Jahr 1935, neu erfunden als grelles Punkrock-Musical, in gleichen Teilen Horrorfilm wie „Natural Born Killers“, mit Christian Bale als Frankensteins Monster und Jessie Buckley als Braut, ein Match made in Hell. Wir freuen uns!

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„Hoppers“ (Credit: © 2025 Disney/Pixar)

Nachdem Pixar mit Ausnahme der Signature-Marke „Toy Story“ dem Marktimpuls widerstanden hatte, Fortsetzungen im großen Ausmaß zu produzieren, ist das Geschäft mit den Sequels eine entscheidende Lebensader für das seit sechs Jahren von Pete Docter geführte Unternehmen geworden (in diesem Jahr wird es im Sommer „Toy Story 5“ geben; in 2024 avancierte „Alles steht Kopf 2“ zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten). Nachdem im vergangenen Jahr mit „Elio“ ein nur bedingt erfolgreicher Originalstoff vom Stapel gelaufen war (470.000 Tickets in Deutschland; 73 Mio. Dollar Boxoffice in den USA – der schwächste Pixar-Film aller Zeiten), folgt nun mit „Hoppers“ (Disney) ein deutlich erfolgversprechenderes Modell. Von Kino-Newcomer Daniel Chong inszeniert, Schöpfer der Fernsehmarke „We Bare Bears“, sieht der Film aus nach einer Pixar-Antwort auf „Der wilde Roboter“, in der eine 19-jährige Tieraktivistin ihr Bewusstsein in einen robotischen Biber überträgt, um ungeahnte Geheimnisse in der Tierwelt aufzudecken. Spaß, Abenteuer und hintergründiger Humor vereinen sich zu einer emotionalen Geschichte, die auf das sehr große Publikum zielt. 

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„Gelbe Briefe“ von İlker Çatak (Credit: MOIN Filmförderung)

Drei Jahre sind vergangen, seitdem İlker Çatak mit „Das Lehrerzimmer“ (Gewinner von vier Lolas, unter anderem für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch) der Sprung vom Geheimtipp („Es gilt das gesprochene Wort“) an die Spitze der deutschen Filmemacher gelungen ist. Nun folgt endlich seine neue Arbeit, „Gelbe Briefe“ (Alamode Filmdistribution), geschrieben von dem Filmemacher zusammen mit Ayda Meryem Çatak und Enis Köstepen sowie abermals produziert von Ingo Fliess und seiner if… Productions. Ebenfalls wieder mit dabei sind hinter der Kamera Bildgestalterin Judith Kaufmann sowie Editorin Gesa Jäger und Komponist Marvin Miller. „Gelbe Briefe“ erzählt vom Künstlerehepaar Derya und Aziz, gespielt von Özgü Namal und Tansu Biçer, die aufgrund staatlicher Willkür über Nacht ihren Job verlieren und eine Entscheidung treffen müssen: ihre Ideale einhalten oder das Familienleben retten. „Das Lehrerzimmer“ mit Leonie Benesch in der Hauptrolle kam bei seiner Kinoauswertung auf 250.000 Besuche; der Film wurde als Best Internationale Feature für den Oscar 2024 nominiert.

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Glen Powell als Becket Redfellow in „How to Make a Killing“ (Credit: Studiocanal)

Eine richtig schöne, beschwingte, amoralische schwarze Krimikomödie mit Anleihen bei „Ocean’s 11“, „The Gentlemen“ und „No Other Choice“, mehr noch aber bei Klassikern der Ealing Studios und insbesondere der Episode „Adel vernichtet“ aus der Kultserie „Die Zwei“ wäre mal wieder eine erfreuliche Abwechslung. Und bekommen wir jetzt mit „How to Make a Killing: Todsicheres Erbe“ (STUDIOCANAL), dem bisher größten Film von „Emily the Criminal“-Regisseur John Patton Ford, der auf ein herausragendes Ensemble zugreifen kann, angeführt von Glen Powell in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschnitten ist, sowie Margaret Qualley und Ed Harris: einfach ein raffiniert-verzwickter Spaß über einen Mann, dessen verstorbene Mutter einst um ein Milliardenerbe gebracht wurde und der nun die Herde ausdünnen will, um selbst noch an das Geld zu kommen. Trailer sieht super aus. Let’s go. 

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„Jeunes mères“ von Jean-Pierre und Luc Dardenne (Credit: © Christine Plenus)

Nachdem sie zuletzt mit „Jeune Ahmed“ und „Tori & Lokita“ doch eher auf der Stelle getreten waren, legt das zweifach mit einer Goldenen Palme (für „Rosetta“ und „Das Kind“) ausgezeichnete Brüderpaar Jean-Luc und Pierre Dardennemit „Jeunes méres – Junge Mütter“ (Wild Bunch, hier unsere SPOT-Besprechung) eine Rückkehr zu alter Schaffenskraft vor, ein eindringliches Drama über eine Gruppe von Teenagerinnen aus der Unterschicht, die in einem Heim für junge Mütter damit umgehen zu können, viel zu früh ein Kind auf die Welt gebracht zu haben. Auf faszinierende Weise scheint der Film mit „Das Kind“ verbunden, allerdings liegt der Blick der Dardennes diesmal nicht auf verantwortungslosen jungen Männern, sondern Frauen, die mit Macht versuchen, ihr Leben zu meistern. In Cannes gab es den Drehbuchpreis, Deutschlandpremiere war beim 33. Filmfest Hamburg. 

Chronology of Water
„The Chronology of Water“ (Credit: Festival de Cannes)

Längst hat Kristen Stewart die Fesseln des Jungstars aus den „Twilight“-Filmen abgestreift und sich mit Arbeiten wie jüngst „Spencer“, „Love Lies Bleeding“ oder „Crimes oft he Future“ fest etabliert als mutige Independent-It-Schauspielerin, die vor unbequemen Stoffen nicht zurückschreckt. Was sich nun auch über sie als aufstrebende Filmemacherin sagen lässt: Als Regiedebüt legt sie mit „The Chronology of Water“ (eksystent distribution) eine mutige Adaption der Memoiren von Lidia Yuknavitch (auf deutsch: „In Wasser geschrieben“) vor mit Imogen Poots als Yuknavitch, die wegen Drogen und Alkohol von der Schule fliegt und an der Universität von Oregon den legendären „Einer flog übers Kuckucksnest“-Schriftsteller Ken Kesey trifft. Der Film feierte im Un Certain Regard von Cannes Premiere, konnte uns mit seiner etwas aufgesetzt wirkenden Punk-Attitüde und assoziativen Bildfolgen nicht restlos überzeugen, ist aber allemal einen Blick wert.

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„Night and Day“ von Tina Gharavi mit Elyas M’Barek und Haley Bennett (Credit: Wild Bunch)

Spannende Wege beschreitet aktuell Elyas M’Barek. Während er seine Starpower unverändert ausspielt (gerade erst stand er wieder für Bora Dagtekin hinter der Kamera, in „Der perfekte Urlaub“ – Start im Oktober), geht er konsequent auch neue Wege, versuchte sich unlängst erstmals als Produzent mit seiner mit Pacco-Luca Nitsche neu gegründeten Firma 27 KM’B („Babo – Die Haftbefehl Story“), spielte erstmals in einer englischsprachigen Serie eine Hauptrolle („Smilla’s Sense of Snow“) und ist nun auch erstmals im Kino in einer englischsprachigen Rolle zu sehen: An der Seite von Hauptdarstellerin Haley Bennett spielt er in „Night and Day“ (Wild Bunch) von Tina Gharavi („I Am Cleopatra“), eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Virginia Woolf, aber nicht so schwer wie von der Schriftstellerin gewohnt, sondern eine „unromantische“ Komödie über eine Astronomin zum Jahrhundertwechsel zum 20. Jahrhundert, die sich nicht mit den Fesseln des Patriarchats abfinden will. Außerdem dabei: Timothy SpallJennifer Saunders und Popstar Lily Allen

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Arif Jakup, Agush Agushev und Dora Akan Zlatanova in „DJ Ahme“ von Georgi M. Unkovski (Credit: Sundance Institute)

Einer der großen Hits des Sundance Film Festival im vergangenen Jahr war „DJ Ahmet“ (Neue Visionen Filmverleih) von Georgi M. Unkovski, eine Koproduktion von Nordmazedonien, Tschechische Republik, Serbien, Kroatien, die als bester Spielfilm im Welt-Wettbewerb ausgezeichnet wurde. Erzählt wird die Geschichte eines 15-jährigen Jungen, der sich zum ersten Mal verliebt, DJ werden möchte und mit dem Konservatismus seines ländlichen Dorfes in Nordmazedonien zu kämpfen hat.

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„Monsieur Robert kennt kein Pardon“ mit Christian Clavier (Credit: Happy Entertainment)

 Eine der zuverlässigen Größen im französischen Kino, seit vier Jahrzehnten nunmehr, ist Christian Clavier, der seinen größten Erfolg hierzulande mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ feiern konnte und deshalb nicht nur in den beiden Fortsetzungen für immer der „Monsieur“ bleibt. Siehe „Monsieur Robert kennt kein Pardon“ (Happy Entertainment / 24 Bilder), eine bissige Komödie über einen pensionierten Lehrer, der sich an seinen ehemaligen Schülern rächen möchte, die ihm das Leben vermasselt haben. In Frankreich lockte die Komödie über 500.000 Menschen ins Kino.

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„Mavka – Die wahre Legende“ (Credit: Splendid, 24 Bilder)

2023 brachte es der ukrainische Animationsfilm „Mavka – Hüterin des Waldes“ auf 165.000 Tickets in den deutschen Kinos. „Mavka: Die wahre Legende“ (Splendid Film / 24 Bilder) greift diese Geschichte auf, ist aber ein ukrainischer Realfilm von Katya Tsarik, besetzt mit Arina Bocharova und Ivan Dovzhenko, und erzählt von einem jungen Biologen, der in einem uralten Wald unvermittelt einer außergewöhnlichen jungen Frau begegnet, die zu den Hüterinnen dieses Ortes und ihn eigentlich in sein Verderben führen soll. Was nur der Anfang dieser märchenhaften Geschichte ist.

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„No Mercy“ (Credit: TondowskiFilms / FlairFilm)

In dem Dokumentarfilm „No Mercy“ (Real Fiction) geht die Filmemacherin Isa Willinger einer These nach, die Kira Muratova gemacht hatte: ob Frauen nicht tatsächlich die härteren Filme drehen. Sie macht sich auf die Suche und findet Filme von Frauen, die gezeichnet sind von Gewalt und Sex. Sie befragt Filmemacherinnen wie Céline Sciamma, Alice Diop, Joey Soloway, Nina Menkes, Valie Export, Catherine Breillat, Ana Lily Amirpour, Margit Czenki, Mouly Surya, Monika Treut, Apolline Traoré, Marzieh Meshkini und Virginie Despentes und versucht herauszufinden, was Werke, die sich gemeinhin mit Themen, die primär mit Männern in Verbindung gebracht werden, tatsächlich „weiblich“ macht, was den „female gaze“ tatsächlich ausmacht. Wurde unter anderem in Hamburg und auf der Viennale gezeigt.

KW 11 (9. – 15. März 2026)

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Sam Rockwell in „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ von Gore Verbinski (Credit: Constantin Film)

Zwei Dinge weiß man über Gore Verbinski: Er ist ein genialischer Visionär, Erschaffer gewaltiger und hintergründiger Bilderwelten, immer mit dem Schalk im Nacken und Freude an der Subversion. Er ist kein einfacher Filmemacher und sich selbst bisweilen sein größter Feind. Was der Grund dafür sein kann, dass der Mann, der von 2003 bis 2007 mit der „Pirates of the Caribbean“-Trilogie eine der innovativsten und erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten geschaffen hat, seit seinem in Deutschland gedrehten „A Cure for Wellness“ aus dem Jahr 2016 keinen Film mehr gedreht hat. Und jetzt mit „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ (Constantin Film Verleih) alles in die Waagschale wirft, einen Film vorstellt, der so Gore Verbinski ist, wie ein Film nur sein kann, so verrückt wie Terry Gilliam, dabei aber doch immer durch und durch amerikanisch und unterhaltsam. Mit einem Hauptdarsteller, der auf einer Wellenlänge mit Verbinski liegt: der unerschrockene Oscargewinner Sam Rockwell als „Mann aus der Zukunft“, der in einem Diner in Los Angeles auftaucht, wo er die richtige Kombination aus Gästen rekrutieren muss, um in einer Nacht die Welt zu retten. 

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„Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ von Vanessa Caswill (Credit: UPI)

Nach dem Blockbuster „Nur noch ein einziges Mal – It Ends With Us“ (1,8 Mio. Tickets) und dem Überraschungserfolg „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ (530.000 Tickets) kann man sich jetzt auf die dritte Verfilmung eines Bestsellers von Colleen Hoover freuen. Einmal mehr wird auch in „Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him“ (Universal Pictures International) auf die bekannten Versatzstücke der aktuell erfolgreichsten Schriftstellerin der Welt gesetzt, hochemotionale Geschichten über Liebe, Leben und Tod, in deren Mittelpunkt junge Frauen stehen, die sich in existenziellen Situationen beweisen müssen. Inszeniert von Vanessa Caswill (der Netflix-Film „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“), geht es hier um eine von Maika Monroe (aus „Longlegs“) gespielte junge Frau, der die Verantwortung für den Umfalltod der Liebe ihres Lebens gegeben wird und die nach siebenjähriger Haft versuchen muss, den Trümmerhaufen ihres Lebens aufzukehren und wieder Kontakt zu ihrer kleinen Tochter aufzunehmen. An ihrer Seite spielen in dem gut besetzten Drama, das man als gefällige Version von „The Unforgiven“ bezeichnen könnte, neben Tyriq Withers aus „H.I.M.“ auch Lauren Graham und Bradley Whitford

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„Nouvelle Vague“ von Richard Linklater (Credits: ®JeanLouisFernandez / Plaion Pictures)

Auf eine solch verspielte Idee, sich vor den eigenen Vorbildern und des Kinos als solches zu verbeugen, kommt vermutlich nur Richard Linklater. Zumindest aber wundert man sich nicht, dass „Nouvelle Vague“ (Plaion Pictures / Studiocanal, hier unsere SPOT-Besprechung) von dem Texaner stammt, der diesen Meta-Film über die Entstehung und Dreharbeiten von „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard mit Jean-Paul Belmondo im Jahr 1959 im Wettbewerb von Cannes vorstellte, nur drei Monate nach seiner anderen neuen Arbeit von 2025, dem nicht minder wunderbaren „Blue Moon“, der in Berlin vom Stapel gelaufen war (und Andrew Scott einen Darstellendenpreis einbrachte). Der Clou dabei ist, dass Linklater seinen Film so aussehen lässt, als wäre er ebenfalls im Jahr 1959 entstanden, mit genau dem richtigen Schwarzweiß, komplett auf Französisch und auch sonst mit einer ähnlich verwegenen Haltung wie Godard, ein verrückter Akt der Mimikry, der eine Kopie ist und zugleich eigenwillige Kunst, unendlich unterhaltsam und vergnüglich.

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„The Testament of Ann Lee“ von Mona Fastvold (Credits: Searchlight Pictures)

Ein Jahr nach ihrem Lebensgefährten Brady Corbet und seinem „Der Brutalist“, bei dem sie am Drehbuch mitgearbeitet hatte, stellte Mona Fastvold im Wettbewerb von Venedig „The Testament of Ann Lee“ (Walt Disney, hier unsere SPOT-Besprechung) vor, wo sie davor bereits 2020 „The World to Come“ gezeigt hatte. Auch ihre Verfilmung des Lebens und Schaffens der Begründerin der religiösen Gruppierung der Shakers ist wieder gemeinsam mit Corbet geschrieben, realisiert höchst eigenwillig und auf faszinierend mitreißende Weise als Musical, eine transzendentales Singspiel mit modern interpretierten und choreographierten Chorälen der Zeit. Es. Ist. Verrückt. Und toll. Für Hollywoodstar Amanda Seyfried ist es eine aufregende, elektrisierende schauspielerische Tour de Force in einem Film über religiöse Erfüllung, der eine wilde These über die zweite Niederkunft Jesu Christi aufstellt. An Seyfrieds Seite sieht man außerdem Thomasin McKenzieLewis PullmanChristopher AbbottTim Blake Nelson und Stacy Martin.

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„Das geheime Stockwerk“ (Credit: Polyfilm)

Ein ambitionierter Kinderfilm ganz besonderer Natur ist „Das geheime Stockwerk“ (farbfilm verleih) von Norbert Lechner, eine Produktion seiner Kevin Lee Filmproduktion mit Amour Fou Vienna (Alexander Dumreicher-Ivanceanu) und Amour Fou Luxembourg (André Fetzer): Die Kinderdarsteller der Geschichte über einen Jungen, der im Aufzug des Hotels seiner Eltern von der Jetztzeit in die Vergangenheit fährt, ins Jahr 1938, und dort Freundschaft mit zwei jüdischen Kindern schließt und gleichzeitig erfährt, welch beängstigende Wolken durch das Nazi-Regime am Himmel aufziehen, sind Silas JohnAnnika BenzinMaximilian ReinwaldKonstantin Horn und Ben Winkler. Das Drehbuch schrieben Antonia Rothe-Liermann und Katrin Milhahn. Anfang Juni hatte „Das geheime Stockwerk“ als Eröffnungsfilm des Kinder Medien Festival Goldener Spatz seine Deutschlandpremiere gefeiert.

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Christoph Hochhäuslers „Der Tod wird kommen“ (Credit: Heimatfilm)

Bereits 2024 war der jüngste Film von Christoph Hochhäusler im Wettbewerb von Locarno zu sehen; jetzt kommt er endlich in Deutschland ins Kinos. „Der Tod wird kommen“ (W-film Distribution, hier unsere SPOT-Besprechung) ist ein wie gewohnt von Bettina Brokemper / Heimatfilm sowie Amour Fou Luxemburg mitproduzierter Neo Noir um eine von Sophie Verbeeck gespielte Auftragskillerin, der auf den Spuren von Jean-Pierre Melville wandelt. In französischer Sprache gedreht, folgt das Pastiche unmittelbar auf Hochhäuslers Berlinale-Beitrag „Bis ans Ende der Nacht“ und ist ein weiterer elegischer Tanz der Todgeweihten mit einer Frau im Mittelpunkt eines von Männern dominierten Genres.

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„Un Poeta“ von Simón Mesa Soto (Credit: FDC)

„A Poet“ (jip film & verleih) von Simón Mesa Soto ist einer der meistgefeierten Festivalfilme in diesem Jahr. Schon bei der Weltpremiere im Un Certain Regard in Cannes wurde der Film, an dem ma.ja.de als deutscher Koproduzent beteiligt war, mit dem Jurypreis ausgezeichnet, beim Filmfest München erhielt er den CineCoPro Award. Zudem war der Film über einen erfolglos und missverstanden gebliebenen Poeten, der seine Erfüllung darin findet, eine höchst begabte Jugendliche zu fördern, der kolumbianische Vorschlag für eine Oscarnominierung in der Kategorie „Bester internationaler Film“.

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„Am I Losing My Mind? – Der Menopause Film“ von Louise Unmack Kjeldsen (Credit: Rise and Shine Cinema)

Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen begibt sich mit „Mein neues altes Ich “ (Rise and Shine Cinema) auf eine filmische Reise, um sich mit der Komplexität der Menopause zu befassen, die zwei Drittel aller Frauen schwere körperliche und psychische Beschwerden bereitet. Eine Suche nach wissenschaftlichen Antworten darauf, warum die Menopause normalerweise starke Frauen in die Knie zwingen kann. 

KW 12 (16. – 22. März 2026)

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„Der Astronaut“ mit Ryan Gosling (Credit: Sony Pictures)

Dass Andy Weir populäre Science-Fiction mit einem gewissen Dreh schreiben kann, aus der tolle Filme entstehen können, hat er bereits mit „Der Marsianer“ bewiesen. Nun kommt sein nächster Bestseller in die Kinos, „Der Astronaut – Project Hail Mary“ (Sony Pictures Entertainment) – und befindet sich bei Phil Lord und Chris Miller in den besten Händen, die Macher von Hits wie „21 Jump Street“, die nicht mehr auf dem Regiestuhl saßen, seit ihnen „Solo“ mitten in der Fertigstellung abgenommen worden war, aber immerhin als Produzenten der „Spider-Man“-Animationsfilme und der tollen Apple-Serie „The Afterparty“ Outlets für ihre überbordende Kreativität gefunden haben. Nun also ein Space-Adventure aus ihrer Hand, lakonisch und witzig erzählt, mit Ryan Gosling in der Hauptrolle – und Sandra Hüller in einer tragenden Nebenrolle. Das Material, das im vergangenen Jahr auf der CinemaCon gezeigt wurde, war fabelhaft. 

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James Cameron und Billie Eilish: „Billie Eilish – Hit Me Hard and Soft: The Tour (Live in 3D)“ (Credit: Sony)

Fassen wir uns kurz: Billie Eilish ist ein Superstar, ein singuläres Ereignis im heutigen Popzirkus, eine Visionärin und ein Vorbild, eine Künstlerin, die sich nicht verbiegt und stets neue Wege geht. Jetzt kommt mit„Billie Eilish – Hit Me Hard and Soft: The Tour (Live in 3D)“ (Sony/ Paramount) ihr erster Konzertfilm, der sich einfügt in das Dreigestirn der Konzertfilme der großen amerikanischen Divas unserer Zeit, Seite an Seite mit Taylor Swift und Beyoncé. Hat den entscheidenden Vorsprung: James Cameron (genau, DER James Cameron) hat Regie geführt und für das phänomenale 3D gesorgt.

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„La Grazia“ von Paolo Sorrentino mit Toni Servillo (Credit: Andrea Pirrello)

Wir haben gestaunt und wir waren begeistert, als wir„La Grazia“ (MUBI / DCM, hier unsere SPOT-Besprechung) als Eröffnungsfilm der 82. Mostra in Venedig im vergangenen August erleben durften, ein Film voller Zärtlichkeit und Naturgewalt, als habe Paolo Sorrentino nach „Parthenope“ eine Frischzellenkurz hinter sich und habe für sich erkannt: Wann, wenn nicht jetzt, muss man als Filmemacher die Hosen runterlassen, sich bekennen zu den Dingen, die unsere Gesellschaft und Demokratie stark machen, mit Toni Servillo als einen idealistischen italienischen Präsidenten, der in den letzten Tagen seiner Amtszeit vor drei wichtige Entscheidungen gestellt wird, die sein Vermächtnis besiegeln werden, während er nostalgisch darüber räsonniert, wer es denn nun gewesen ist, mit dem ihn seine vor acht Jahren verstorbene Frau in jungen Jahren einmal betrogen hat. Ein Film, dem man verfallen kann, mindestens so gut wie „La grande bellezza“ – und dafür hat Sorrentino vor etwas mehr als einem Jahrzehnt den Oscar gewonnen. 

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„Is This Thing On?” von Bradley Cooper (Credit: Searchlight Pictures/Jason McDonald)

Dass es sich bei Bradley Cooper nicht einfach um einen vom Ruhm gelangweilten Schauspieler handelt, der sich auch mal im Regiefach probieren will, sondern um the real deal, hat er bereits mit seinem Debüt, „A Star Is Born“ bewiesen. Das zeigt sich auch daran, dass er es sich danach nicht einfach gemacht hat und einfach eine Comicadaption übernommen hat, sondern den ambitionierten „Maestro“ für Netflix drehte, unterstreicht dies. Und Nummer 3 erst recht, „Is This Thing On?“ (Walt Disney), ein für Searchlight realisiertes Drama, bei dem er erstmals tatsächlich auf dem Regiestuhl saß und die Hauptrolle mit dem eigentlich für seine absurde Comedy bekannte Will Arnett in seinem bislang anspruchsvollsten Part besetzte: Er spielt einen Comedian, der auch mit seiner Kunst verarbeiten muss, dass seine Ehe in einer Sackgasse steckt. Starkes, engagiertes Kino. Oscargewinnerin Laura Dern in der zweiten Hauptrolle. 

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„Amsterdamned II“ von Dick Maas (Credit: Wessel de Groot, Splendid Medien)

1988 war „Verdammtes Amsterdam“ von Dick Maas mit Huub Stapel in der Hauptrolle als hartgesottener Cop  ein wunderbarer räudiger Thriller mit Horrortouch gelungen, eine Art David gegen Goliath, mit dem der niederländische Regisseur Hollywood den Mittelfinger zeigte und sagte: Schaut her, das können wir auch! Dass der mittlerweile 74-jährige Filmemacher nun 37 Jahre später mit seinem „Amsterdamned II“ (Splendid Film / 24 Bilder) eine Fortsetzung vorlegt, hat eigentlich keinen anderen guten Grund, als dass Maas sich gesagt hat, dass sich mit der Marke noch einmal ein bisschen Geld verdienen lässt. Vielleicht hat es den Regisseur aber auch einfach gejuckt zu zeigen, dass er es immer noch kann, immerhin neun Jahre nach seinem letzten Film, „Prey“. Also hat er Huub Stapel, mittlerweile auch schon 71 Jahre alt, reaktiviert und ihm die energetische und in den Niederlanden angesagte Holly Mae Brood an die Seite gestellt, um in einem neuen Serienmörderfall in den Grachten Amsterdams zu ermitteln. In den Niederlanden mit Erfolg: Startete dort auf Platz zwei hinter „Zoomania 2“ und kann mehr als 125.000 Tickets vorweisen. 

La Femme la plus riche du Monde
Isabelle Huppert in „Die reichste Frau der Welt” (Credit: Manuel Moutier)

Wer beim 78. Festival de Cannes auch mal einen Blick auf die Nebenreihen hatte, der konnte schöne Entdeckungen machen. Dazu gehört die schwarze Komödie „Die reichste Frau der Welt“ (Neue Visionen) von Thierry Klifa, zuletzt „Rachel’s Game“ mit Fanny Ardant, der in Reihe Cannes Première als Bonbon fürs Publikum gezeigt wurde, französisches Starkino mit einer einmal mehr souverän aufspielenden Isabelle Huppert in der Titelrolle. An ihrer Seite sieht man in dem Film über eine exzentrische Milliardärin, die einem jüngeren schwulen Künstler, dem sie nahesteht, Hunderte Millionen Euro schenkt und damit bei ihren Kindern für einen Eklat sorgt, sieht man unter anderem Laurent Lafitte und Marina Foïs. Wurde in Deutschland erstmals bei der Französischen Filmwoche gezeigt.

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„Mein Freund Barry“ von Markus Welter (Credit: Atlantis Pictures)

In der Schweiz ist „Mein Freund Barry“ (Wild Bunch / Central Film Verleih) bereits ein Kassenhit. Kein Wunder, der neue Film von Markus Welter („Der Teufel von Mailand“) thematisiert eines der Nationalheiligtümer der Eidgenossen, fast auf einer Höhe mit Heidi und Wilhelm Tell: Barry ist der treuherzige Bernhardiner mit dem Fässchen um den Hals. Produziert von Marcel Wolfisberg und seiner Luzerner Produktionsfirma Atlantis Pictures („Cargo“, „Eden für Jeden“) in Zusammenarbeit mit MMC Zodiac („Papa Moll“, „Gotthard“) aus Köln, basiert der Familienfilm auf einer wahren Geschichte, deren Handlung in der atemberaubenden Berglandschaft des 18. Jahrhunderts spielt, die Mönche des Klosters auf dem Großen St. Bernhard Reisenden seit dem 17. Jahrhundert Bernhardiner als treue Begleiter und Lebensretter in den verschneiten Alpen einsetzen. Zu sehen sind neben Max Hubacher auch Ulrich Tukur sowie Carlos Leal.

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„Tierisch abgefahren“ (Credit: TAT Productions, Apollo Films)

Aus der renommierten französischen Animationsschmiede Tat stammen erfolgreiche Familienfilme wie „Die wilden Mäuse“ oder „Asterix & Obelix: Der Kampf der Häuptlinge“. Auch in der neuen Arbeit „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets“ (MFA+ / Die FilmAgentinnen) orientiert man sich an amerikanischen Vorbildern – es fällt schwer, nicht an „Findet Nemo“ oder „Zoomania“ zu denken angesichts der Geschichte eines schlitzohrigen Waschbären, der in einem nicht zu stoppenden Zug voller Haustiere beweisen muss, dass in ihm das Zeug zum Helden steckt. Action, Tempo, Slapstick und Emotion vereinen sich zu einem schönen und klasse aussehenden Abenteuer, das seine Weltpremiere beim Annecy International Animation Film Festival 2025 feierte und in Frankreich bereits erfolgreich in den Kinos war. 

Mit seiner Produktionsfirma Egoli Tossell war Jens Meurer an der Seite von Judy Tossell vor etwa 20 Jahren unter den deutschen Produzenten einer der Pioniere im Bereich der internationalen Koproduktion, konnte sogar eine Golden Globe gewinnen („Carlos – Der Schakal“). Zuletzt hat er indes wieder vermehrt als Dokumentarfilmemacher von sich reden gemacht. Nachdem er sich in „Seaside Special“ zuletzt mit einem Fischerdorf in Großbritannien beschäftigt hat und viel Beifall erhielt, widmet er sich in seiner neuesten Arbeit dem legendären Wolf Biermann: „Biermann“ (Majestic Filmverleih G / Warner Bros. Entertainment) startet zum 90. Geburtstag des berühmten Dissidenten und Systemkritikers, der 1976 aus der DDR ausgebürgert worden war und nie seine unbequeme Haltung aufgegeben hat. 

KW 13 (23. – 29. März 2026)

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„Horst Schlämmer sucht das Glück“ (Credit: LEONINE Studios)

Hape Kerkeling schon zum zweiten Mal im Kinojahr 2026. Erst „Extrawurst“. Jetzt „Horst Schlämmer sucht das Glück“ (LEONINE Studios). Erstmals trat Horst Schlämmer im Januar 2005 in der RTL-Sendung „Hape trifft“ in Erscheinung und avancierte danach schnell zur beliebtesten von Hape Kerkeling geschaffenen Figur. 2009 kam die Kunstfigur („Immer janz discht dran und knallhart nachjefracht“) erstmals zu Kinoehren in dem Film „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“, der 1,35 Mio. Kinotickets verkaufen konnte. Diese Komödie markierte auch Kerkeling vorläufigen Abschied vom Filmgeschäft. Sieht man von einer Nebenrolle in Joseph Vilsmaiers letztem Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ vor fünf Jahren ab, hat Kerkeling seinen Vorruhestand bis gerade eben durchgezogen. Im Januar sieht man ihn zunächst in Marcus H. Rosenmüllers „Extrawurst“ (siehe eigenen Eintrag), nur ein paar Monate danach ist er zurück als Horst Schlämmer und bringt Glück in ein zerstrittenes Land, unter der Regie von Sven Unterwaldt, der nach „Woodwalkers 2“ seinen zweiten Film in diesem Jahr in die Kinos bringt (und davor in den Jahren 2022 und 2023 mit „Die Schule der magischen Tiere 2 & 3“ jeweils den erfolgreichsten deutschen Film des Jahres in die Kinos brachte).

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„Blue Moon“ von Richard Linklater (Credit: Sabrina Lantos / Sony Pictures Classics)

Bei der 75. Berlinale vor einem Jahr war „Blue Moon“ (Sony Pictures Entertainment, hier unsere SPOT-Besprechung) eine der großen Sensationen, der erste von zwei Filmen von Regisseur Richard Linklater im Jahr 2025, „Nouvelle Vague“ folgte dann im Wettbewerb von Cannes. Es ist die achte Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinem erklärten Lieblingsschauspieler Ethan Hawke – gemeinsam hatten sie unter anderem bereits Ausnahmewerke wie die „Before“-Trilogie und „Boyhood“ gemacht. Und nun dieser Film über den Abend in New York im Jahr 1943, an dem eines der größten Musicals aller Zeiten Premiere feierte: „Oklahoma!“. Nur dass die Geschichte aus der Sicht eines unbeteiligten Beobachters erzählt wird: Protagonist Lorenz Hart war als Broadway-Musiktexter Teil des erfolgreichen Duos Hart/Rodgers in den 1920er- und 1930er-Jahren, befand sich aber wegen seines Alkoholismus auf dem absteigenden Ast. „Oklahoma!“ hatte Rodgers mit seinem neuen Partner Hammerstein geschrieben. Dem unter seiner Kleinwüchsigkeit und unerklärten Homosexualität leidenden Hart blieb nur der Blick von außen. Hawke ist sensationell (Nominierung für einen Actors Award), wie er an der Bar sitzt und seinen inneren Schmerz hinter Aphorismen und Lebensweisheiten verbirgt. Stark sind an seiner Seite auch Andrew Scott (Nebendarstellungsbär in Berlin), Margaret Qualley und Bobby Cannavale.

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Harry Melling und Alexander Skarsgård in „Pillion“ von Harry Lighton (Credit: Weltkino)

Und gleich noch eine der großen Sensationen aus den letztjährigen A-Festivals: „Pillion“ (Weltkino) von Harry Lighton ist mühelos nicht einfach nur das beste Regiedebüt des letzten Jahres, sondern überhaupt einer der besten Filme, nach seiner Premiere in Cannes in der Nebenreihe Un Certain Regard mit dem Drehbuchpreis der Reihe ausgezeichnet sowie unlängst bei den British Independent Film Awards als bester Film prämiert. Es ist ein Film voller Überraschungen mit den überragenden Harry Melling und Alexander Skarsgård in den Hauptrollen, eine BDSM-Liebesgeschichte eines unterwürfigen jungen Mannes, der seine Erfüllung darin findet, sich von einem schweigsamen, mysteriösen Biker schlecht behandeln zu lassen. Wie sich aus dem Novelty-Szenario eine der zärtlichsten Liebesgeschichten des Jahres entfaltet, muss man selbst erlebt haben. Ein mutiger und zutiefst bewegender Film, der wirklich alles richtig macht. 

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Zazie Beetz in „They Will Kill You“ (Credit: Warner Bros. Pictures)

Mit zwei eindringlichen, visuell kraftvollen Genrefilmen hat sich der russische Filmemacher Kirill Solokov einen Namen gemacht. Und setzt seine Karriere nun mit unverkennbarer Handschrift in Hollywood fort. Es sind keine subtilen, aber sehr effektive Filme, die Sokolov mit selbstsicherem Pinselstrich zeichnet. „They Will Kill You“ (Warner Bros. Entertainment) ist „Rosemary’s Baby“ mit dem Vorschlaghammer, eine krasse, extreme Horrorkomödie mit Anleihen bei Park Chan-wook, produziert von „ES“-Regisseur Andy Muschietti, mit Zazie BeetzPatricia Arquette und Tom Feltonüber eine junge Frau, die sich für die Stelle als Hausmädchen in einem Mietshaus in Manhattan bewirbt und es dort mit einem satanistischen Clan zu tun bekommt. 

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„Calle Malaga“ von Maryam Touzani (Credit: Mostra Venedig)

Nachdem mit „Blue Moon“ ein Film aus der Berlinale und „Pillion“ ein Film aus Cannes starten, ist auch Venedig vertreten, mit „Calle Malaga – Ein Zuhause in Tanger“ (Pandora Film), der ersten Regiearbeit von Maryam Touzaniseit „Der blaue Kaftan“, eines der Highlights der Cannes-Nebenreihe Un Certain Regard 2022. In ihrem neuen Film, Touzanis erster Arbeit in spanischer Sprache, geht es um eine 74-jährige Spanierin, die sich der Entscheidung ihrer Tochter widersetzt, ihr Haus in Tanger zu verkaufen. Die Hauptrolle in dieser Erweckungsgeschichte einer Frau, die im hohen Alter neuen Lebensmut schöpft, spielt die legendäre Carmen Maura. Beim marokkanischen Oscarvoschlag handelt sich um eine internationale Koproduktion mit der Berliner One Two Filmproduktion

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„Mit Hasan in Gaza“ von Kamal Aljafari (Credit: Kamal Aljafari Productions)

Und schließlich auch noch ein Film aus dem Wettbewerb von Locarno, der im Anschluss auch in Toronto lief: „Mit Hasan in Gaza“ (Grandfilm) legt Kamal Aljafari („A Fidai Film“) einen eindringlichen Dokumentarfilm vor, eine Koproduktion mit Palästina, Frankreich und Katar; mit der in Berlin ansässigen Kamal Aljafari Production als deutschem Partner: Ein Filmemacher entdeckt 2001 aufgenommene Aufnahmen, die eine Reise durch Gaza zeigen, angeführt von Hasan, auf der Suche nach einem alten Gefängnisgenossen. Die Bänder offenbaren intime Momente palästinensischen Lebens in einer prägnanten Zeit.

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„David“ von den Angel Studios (Credit: Angel Studios)

In den USA ging „David“ (Kinostar Filmverleih) durch die Decke, avancierte in der Weihnachtssaison mit rund 75 Mio. Dollar Einspiel zum zweiterfolgreichsten Titel der Verleihgeschichte der auf christlich-religiöse Stoffe spezialisierten Angel Studios. Hierbei handelt es sich um einen Animationsfilm, der eine weithin bekannte Bibelgeschichte poppig neu erzählt, einen jungen Hirten in den Mittelpunkt rückt, der sich einem Riesen und der Dunkelheit stellt.

Elio Germano spielt Enrico Berlinguer, den charismatischen italienischen Kommunistenführer, der in den Siebzigerjahren mit dem Christdemokraten Aldo Moro im Historischen Kompromiss eine Regierungsbeteiligung auszuhandeln sucht, die schließlich scheitert, als Moro von der Brigate Rosse entführt und ermordet wird. „Enrico Berlinguer – La Grande Ambizione“ (Arsenal Filmverleih) von Andrea Segre ist ein als Zwei-Personen-Stück realisiertes Historienwerk, das er als Dokufiktion realisiert hat. Germano gewann bei den David Di Donatellos den Darstellerpreis.