Bei der Deutschen Akademie für Fernsehen sind am Freitag die Auszeichnungen (DAfFNE) vergeben worden. Die ARD-Serie „Die Zweiflers“ erhielt die meisten Preise. An Senta Berger und posthum auch an Michael Verhoeven wurde der Ehrenpreis vergeben.

Am Freitag sind im Berliner Babylon-Kino die Auszeichnungen der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfFNE) vergeben worden. Nina Eichinger führte durch den beschwingten, aber auch nachdenklichen Abend, bei dem als Leitthema in den Reden der Gewinnerinnen und Gewinner manchmal ein trotziges, häufiger ein kämpferisches „Wir lassen uns nicht Bange machen“-Credo der Kreativen wegen der anstehenden Bundestagswahl und dem weltweiten Rechtsruck präsent war.
In den 21 Kategorien der DAfFNE, welche die umfangreichste Würdigung der einzelnen Gewerke in der deutschen TV-Branche darstellt, dominierte wie bei anderen Preisen zuvor wahrscheinlich doch die Serie 2024: „Die Zweiflers“ von Turbokultur, ARD Degeto Film und dem HR über eine Frankfurter jüdische Familie von Showrunner David Hadda. Die sechs Kategorien Drehbuch, Casting, Szenenbild, Musik, Produzent:in und Regie gingen an „Die Zweiflers“.
Nachdenkliche Rede von DAfF-Vorstand Christina Hecke
Christina Hecke aus dem DAfF-Vorstand setzte mitten in der Veranstaltung mit ihrer Rede ein nachdenkliches Zeichen. „Wir leben in Spaltung, die die Gesellschaft kaputt macht“, sagte sie. „Wir bilden Gesellschaft ab. Vielleicht sollten wir dabei unseren Blick mehr nach innen richten. Es gibt zwischen mir und jedem hier im Saal keinen Unterschied. Je mehr wir den Gegensatz Freund und Feind zulassen, vergessen wir dabei, dass wir eigentlich Brüder und Schwestern sind. Wir sollten uns nicht vom Lärm der Medien übertönen lassen. Bleiben Sie sich treu und seien Sie damit ein Kreativer in unserer Branche im Dienste der Gesellschaft.“
Ehrenpreis für Senta Berger & Michael Verhoeven
Der Ehrenpreis 2025 ging an die Schauspielerin Senta Berger und posthum an den verstorbenen Regisseur und Ehemann Michael Verhoeven. Produzent Mario Krebs von der Eikon Media hielt die Laudatio. „Bei den 36 Filmen, die wir zusammengemacht haben, rangen wir viel um die Figuren und Dialoge. Aber niemals habe ich bei dir oder Michael eine knurrende Bemerkung gehört. Immer war da großer Respekt und Zugewandtheit. Stets begegnete man euch auf Augenhöhe und erlebte eure Wertschätzung.“
Senta Berger sagte nach einer langen Standing-Ovations auf der Bühne des Babylon-Kinos: „Michael und ich waren seit der frühesten Jugend mit dem Fernsehen verbunden.“ Die gemeinsame Produktionsfirma Sentana habe ihnen viel an Aufs und Abs gebracht. „Michael hatte ein großes Gespür für die Stimmungen der Zeit. Aber im Gegensatz zu anderen setzte er das Ganze auch in Filmen um.“ Sie erinnerte daran, wie Verhoeven mit den produzierten Werken häufig der Zeit voraus war. Sie bedankte sich auch im Namen ihres Mannes bei der Akademie.
Preisregen für „Die Zweiflers“
David Hadda, Sarah Hadda und Juri Sternbrug gewannen mit „Die Zweiflers“ für das Beste Drehbuch. David Hadda bedankte sich zuerst beim Sender ARD und nannte explizit von der ARD Degeto Film Carolin Haasis, Christoph Pellander und Jörg Himstedt vom HR, weil es immer Menschen bei den Sendern bräuchte, die an eine Idee glauben.
Als Beste Produzent:innen erhielten eben jener David Hadda und Martin Danisch den Preis – ebenfalls für „Die Zweiflers“. „Unser All-in war kein Bluff“, sagte Produzent Danisch über den Einsatz des gesamten Teams. Beste Regie ging auch an „Die Zweiflers“ in den Personen Anja Marquardt und Clara Zoe My-Linh von Arnim.
Riedle, Tonke, Merten bei den Hauptrollen
Die Auszeichnung für die beste weibliche Hauptrolle ging überraschenderweise ex aequo an Laura Tonke für „Sexuelle verfügbar“ und Kim Riedle für „Liebes Kind“. Beide Hauptdarstellerinnen saßen zugeschaltet krank zuhause, Laura Tonke sogar ganz ohne Stimme.
Als Bester Hauptdarsteller wurde Thorsten Merten für seine Rolle in „Nackt über Berlin“ (Studio.TV.Film, Sehr gute Filme) ausgezeichnet, der im 1. FC Union Berlin-Outfit zu den Feierlichkeiten kam. „Das Team war zum Niederknien. Axel Ranisch kann schreiben, inszenieren und eine wunderbare Filmfamilie bauen“, sagte Merten auf der Bühne.
Für das Beste Casting prämiert wurde das Duo Liza Stutzky und Berti Caminneci wegen ihrer Arbeit an der Serie „Die Zweiflers“ (Turbokultur, ARD Degeto, HR). Stutzky konnte Showrunner David Hadda gar nicht genug danken und betonte, dass die vielfältige Rollen-Besetzung im Casting-Prozess auch die Repräsentanz in der Gesellschaft widerspiegeln müsse.
Alessandro Schuster gewann für seine Rolle in der ZDFneo-Horrorserie „Alles was wir fürchten“ von Bavaria Fiction die Auszeichnung als Bester Nebendarsteller. Luise Heyer gewann für „Sörensen fängt Feuer“ das weibliche Pendant bei der Besten Nebenrolle.
Weitere Preise
Als Bester Dokumentarfilm wurde „Diese Sendung ist kein Spiel – Die unheimliche Welt des Eduard Zimmermann“ (Zero One Film, ZDF) von Regisseurin Regina Schilling („Kulenkampffs Schuhe“) geehrt. Schilling bedankte sich besonders für den Mut des ZDF, eine solche Ikone wie den langjährigen „Aktenzeichen XY“-Moderator Eduard Zimmermann so kritisch zu durchleuchten.
Bei der Bildgestaltung gewannen Anne Bolick und Katharina Bühler für die zweite Staffel der Magenta-TV-Serie „Oh Hell“, die später auch zu Warner TV Comedy kam. Good Friends Filmproduktion produzierte. „Wir brennen für die Bildgestaltung, der Begegnung der Charaktere auf Augenhöhe. Dafür stehen wir auch in der Gesellschaft“, sagte Bolick im Hinblick auf die sonntägliche Bundestagswahl, bei der Parteien, die das nicht so sehen, keine Plattform gegeben werden solle.
Bester Schnitt ging an Renata Salazar Ivancan und Christoph Cepak für die Netflix-Miniserie „Liebes Kind“ (Constantin Television). „Es war uns eine Ehre“, sagte Ivancan über die Zusammenarbeit mit dem Team. Für das Beste Kostümbild wurde Alfred Mayerhofer für seine Arbeit an der ARD-ORF-Serie „Kafka“ von Superfilm und David Schalko dekoriert. In der Kategorie Stunt wurden Rainer Werner und sein Team für die zweite „Kleo“-Staffel ausgezeichnet.
„Sörensen fängt Feuer“ mit zwei Auszeichnungen
Für die Beste Tongestaltung ausgezeichnet wurde das Team des wundervollen Bjarne-Mädel-Krimis „Sörensen fängt Feuer“ (NDR, ARD, Claussen+Putz Filmproduktion): Urs Krüger, Kai Storck und Tobias Fleig. Tonmeister Urs Krüger bedankte sich beim Regisseur Mädel und der Produktion.
Beim Maskenbild feierten auf der Bühne des Babylon-Kinos Jens Bartram, Katja Schulze, Anne-Marie Walther und Francis Jadoul für die RTL-Serie „Disko 76“, die von der UFA Fiction produziert wurde. Bestes Szenenbild gewann Merle Vorwald („Die Zweiflers“). Die Kategorie Beste Musik gewannen Petja Virikko und Marko Nyberg auch für „Die Zweiflers“.
Die Beste VFX/Animation hatte nach Abstimmung der Akademie die RTL-Serie „Neue Geschichten vom Pumuckl“ von der Neuesuper. Ausgezeichnet wurden damit Michael Sieber, Mathias Schreck, Michael Hockey, Nadine Schwenk und Berter Orpak.
Für den Besten Fernseh-Journalismus wurden Jonas & David von Simplicissimus für ihr ARD-funk-SWR-Format „Putins Bären – Die gefährlichsten Hacker der Welt“ ausgezeichnet. Die Kategorie Beste Fernseh-Unterhaltung gewannen Sarah Bosetti, Frank Hof und Nils Paulerberg bei „Bosetti Late Night“ (Turbokultur, 3sat, ZDF). Bei Bester Redaktion/Producing/Dramaturgie gewannen Søren Schumann, Rolf Bergmann und Barbara Schmitz für die Doku „Capital B – Wem gehört Berlin?“.